SEPTEMBER
07.2010


 

Haben Mondpreise ein Haltbarkeitsdatum?


CHECK - Die Stahlpreise auf Weltreise

Um etwa 100 € pro Tonne könnte der Preis für Stahlerzeugnisse binnen kurzem steigen. Zeichen für eine anziehende Konjuntur oder Folge schamlos hochgetriebener Rohstoffpreise? Oder beides?

In einer Wertschöpfungskette, an deren Anfang und Ende Oligopole herrschen, sitzen die schwächeren Glieder in der Mitte. In der Wertschöpfungskette Stahl sind die schwächsten Glieder die Händler und Verarbeiter, die Oligopole an den Enden die Bergbaugesellschaften und die Automobilhersteller. Und die Stahlerzeuger, auch keine Klitschen, sind ebenfalls viel mächtiger als ihre Kunden und Kundenkunden.

Als wäre deren Situation nicht schon schwierig genug, machte der Stahlpreis in den letzten beiden Jahren Riesensätze: Zwar lag Mitte 2008 mehr als doppelt so hoch wie zum Jahreswechsel 2009/2010, doch steigt er derzeit wieder; mit 30 % rechnen Experten in diesem Jahr. Es könnte auch deutlich mehr werden.

Der steigende Bedarf erklärt den Preisanstieg nicht. Und damit sind wir wieder beim Thema Oligopol: Die drei größten Erzlieferanten, die etwa 70 % des Marktes beherrschen, haben die Preise in den letzten Monaten zeitweise um mehr als zwei Drittel angehoben, in Einzelfällen auf mehr als das Doppelte. Ähnlich sieht es bei Koks und Kohle aus, die ja quasi doppelt zuschlagen: Mit zirka einem Drittel Steigerung rechnet man alleine im 2. Quartal 2010. Die ›Stahlkocher‹ versuchen, diese Preise weiterzugeben, wenn auch in Maßen. Viel Spielraum haben sie allerdings nicht, denn etwa 70 Prozent ihrer Produktionskosten geben sie für Erz und Energie aus; 100 % höhere Rohstoffkosten führten zu 30 % höheren Stahlpreisen, sagen sie.

Warum aber können die Bergbau-Oligopole, die ja keine Monopole sind, derart schamlos agieren? Weil es Abnehmer gibt, die ›jeden‹ Preis bezahlen (können), hoch subventioniert von einer Staatswirtschaft mit enormen Devisenvorräten, getragen von einem schier unersättlichen Inlandsmarkt?
Wäre denn diese Preistreiberei klug, da doch hohe Rohstoffpreise den Vorteil geringer Personalkosten mindern? Oder sind auch hier die Spekulanten an den Finanzmärkten schuld?

Ausgabe:
BBR 03/2010
Unternehmen:

 

 

 

 

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