SEPTEMBER
09.2010


 

Volles Rohr – ohne Chlor


Ein Systempartner namhafter Automobilhersteller setzt auf innovative Umformschmierstoffe bei der Blech- und Rohrumformung:

Nachhaltig stabile und effiziente Prozesse erfordern eine integrative Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette. Bei der Herstellung von Rohren und Tiefziehteilen für PKW-Abgassysteme sind deshalb hochwertige Umformschmierstoffe gefragt, die eine Vielzahl von komplexen Anforderungen erfüllen müssen. Einer der weltweit führenden Anbieter auf diesem Gebiet, die Boysen Unternehmensgruppe, vertraut seit mehr als zwei Jahrzehnten auf einen strategischen Partner, den innovativen Schmierstoffhersteller Georg Oest Mineralölwerk GmbH & Co. KG. Am Standort Simmersfeld setzt das Tochterunternehmen BAK Boysen Abgaskomponenten GmbH diverse Oest-Produkte für unterschiedliche Aufgaben ein, wobei der Schwerpunkt auf speziell additivierten, chlorfreien Tiefziehölen für Press- und Stanzprozesse liegt.


Die Anforderungen an Schmierstoffe in der Rohrherstellung steigen kontinuierlich. Der Trend geht zu Qualität und Nachhaltigkeit statt Quantität und Kurzfristigkeit. Wurden vor Jahren noch nahezu alle Aufgaben in der spanlosen Umformung mit relativ geringer Produktdifferenzierung gelöst, gelten heute andere Gesetze: „Die exakte und stabile Schmierverteilung bei Umformprozessen wird ständig anspruchsvoller. In der Abgastechnik haben wir es mit stetig dünner werdenden Werkstoffen und kostensparenden präziseren Materialzuschnitten zu tun. Gleichzeitig verlangt der Markt Teile mit immer filigraneren Konturen und komplexeren Geometrien“, erläutert Volker Talmon, Produktionsleiter im Presswerk bei der BAK. „Bereits vor dem Aufbringen von Schmierstoffen wollen die Implikationen für jeden weiteren Prozessschritt im Detail bedacht sein. Dazu gehört auch die Frage, wann und wie das Öl wieder vom Bauteil entfernt wird.“ Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass eine rationelle Dosierung der Oest Umformschmierstoffe je nach Anwendung unterschiedliche Applikationsparameter erfordert. Während beim Umformen von Rohrenden zum Teil relativ große Schmierstoffmengen benötigt werden, wird beim Pressen bzw. Stanzen bestimmter Zuschnitte häufig die sektorelle Beölung mit exakt berechneten Sprühmengen bevorzugt. Eine optimale Entfettung im Anschluss an die spanlose Bearbeitung unterstützen umweltverträgliche, chlorfreie Umformschmierstoffe der Produktreihen Platinol und Robinol, die im Hause Oest durch spezielle Additivierungen für den Einsatz bei hochfesten Werkstoffen wie Edelstahlgüten und Titanlegierungen entwickelt wurden. Volker Talmon berichtet: „Seit mehr als 25 Jahren vertrauen wir an mehreren Standorten auf die Schmierstoffkompetenz von Oest. Neben Tiefziehölen setzen wir hier in Simmersfeld auch Schmierstoffe für IHU-Prozesse sowie Hydrauliköle für unsere Bearbeitungsmaschinen ein.“ Ein Vollsortimenter wie Oest zeichne sich besonders dadurch aus, dass er die vielschichtigen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Fertigungsbereichen und Prozessstufen beherrsche und seine Produkt-Formulierungen ideal darauf abstimme. Eine Kompetenz, die bei Boysen sehr geschätzt werde.

Vertrauensvolle Partnerschaft mit hoher Innovationskraft

Aus Sicht der Boysen Verantwortlichen ist Oest weit mehr als ein Lieferant für Schmierstoffe. „Wir sehen in Oest einen Partner, an dessen Entwicklungskompetenz wir in starkem Maße partizipieren“, beschreibt Volker Talmon die Zusammenarbeit. Dies bestätigt auch Fritz-Otto Sinn, erfahrener Produktmanager bei Oest und Betreuer der Key-accounts in der Automobilbranche: „Wir tauschen uns regelmäßig über konkrete Projekte und Entwicklungen aus. Durch den geregelten Informationsfluss ist über die Jahre großes Vertrauen gewachsen. Als Partner profitieren wir gegenseitig von Produktverbesserungen.“

Nach Jahren der kontinuierlichen Produktentwicklung sind es inzwischen zwei spezielle Formulierungen nicht wassermischbarer Schmierstoffe, welche die BAK schwerpunktmäßig einsetzt. „Durch die Beschränkung auf diese zwei Hauptprodukte sind unsere Prozesse extrem stabil. Gleichzeitig bleiben wir fertigungstechnisch flexibel und anpassungsfähig, denn wir können ein breites Werkstoff- und Teile-Spektrum mit hohen Anforderungsprofilen damit abdecken“, erläutert Volker Talmon und ergänzt: „Für eine konstant hohe Prozessqualität schreiben wir auch den Lieferanten, die in unserem Auftrag fertigen, die Verwendung dieser Oest-Umformöle vor.“ Alle Schmierstoffe, die bei der BAK eingesetzt werden, sind frei von chlorparaffinhaltigen Additiven. Bereits vor etwa zwei Jahren hat sich Boysen für die umfassende Substitution durch chlorfreie Produkte aus dem Hause Oest entschieden, um die gesundheitsschädlichen Auswirkungen für Mensch und Umwelt zu eliminieren. Durch intensive Forschungsarbeit im hauseigenen Entwicklungslabor ist es Oest gelungen, spezielle Formulierungen für sichere Prozesse und reproduzierbare Ergebnisse zu entwickeln – ganz ohne Chlorparaffine. Dr. Martin Wünsch, bei Oest Business Development Manager für den Bereich Umformschmierstoffe, fasst zusammen: „In vielen Anwendungsfällen erlauben unsere chlorfreien Produkte den vollständigen Ersatz chlorhaltiger Umformschmierstoffe – bei gleichbleibend hoher Prozessqualität.“

Reaktionsschnelle Lösungen gefragt

Angesichts einer Vielzahl von Umformprozessen bei der BAK steht für die Oest-Spezialisten die Anwendungsberatung anhand konkreter Aufgabenstellungen im Vordergrund. Dabei wird die gesamte Prozessperipherie berücksichtigt, um optimale Lösungen zu generieren, besonders auch im Hinblick auf nachgelagerte Prozesse. Als Beispiel nennt Volker Talmon die Prozessfolge Stanzen und Laserschweißen in der Rohrfertigung: „Damit am Lochwerkzeug der Schmierfilm nicht abreißt, wird konstant Öl aufgebracht. Um Beeinträchtigungen bei Folgeprozessen, unter anderem beim Laserschweißen der gestanzten Platine, zu vermeiden, verwenden wir ein teilverflüchtigendes Stanzöl, wodurch Rückstände auf den Oberflächen minimiert werden.“ Der Schmierstoff für diesen Stanzprozess wurde von Oest anhand eines detaillierten Anforderungsprofils entwickelt. Die Vorgehensweise erklärt Produktmanager Sinn: „Die individuellen Vorgaben kommen jeweils von Boysen, beispielsweise hinsichtlich des Abwaschverhaltens oder der Verkokungsneigung von Schmier- und Ziehölen. Wir dokumentieren alle wesentlichen Prozessparameter mit Hilfe eines Formblattes. Unser Know-how bzgl. der gesamten Wertschöpfungskette inklusive der besonderen Designanforderungen an Abgassysteme im KFZ-Sektor fließt in die Laborarbeit mit ein. Die von uns entsprechend entwickelten Formulierungen werden dann bei BAK anhand definierter Qualitätskriterien getestet, bevor sie die Freigabe für den Serienbetrieb erhalten.“ Je nach Anwendungsfall ist der Zeitdruck für Neu- und Weiterentwicklungen relativ hoch. Hier macht sich nicht zuletzt auch die räumliche Nähe zwischen den Standorten bezahlt; Freudenstadt ist weniger als 30 Autominuten von Simmersfeld entfernt. Fertigungsleiter Volker Talmon betont abschließend: „Unsere Kunden erwarten zu Recht Null-Fehler-Resultate, bei immer extremeren Konturanforderungen mit immer engeren Toleranzen. Deshalb sind höchste Prozesssicherheit und exakte Reproduzierbarkeit auf allen Prozessstufen das Maß aller Dinge. Mit Oest haben wir hierfür den idealen Partner, der uns neben Kompetenz und Flexibilität auch eine enorme Servicegeschwindigkeit bietet.“

www.oest.de

 

 

 

 
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