Im Grunde ist eine Pipeline nicht mehr als ein ›endlos‹ verschweißtes Rohr, über das ab 2012 jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland nach Deutschland strömen sollen. Doch hinter dem zusammengeschweißten Endlosrohr verbirgt sich mehr. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass die Anforderungen an Großrohre für den Transport von Öl und Gas immer strenger werden. Für das Material werden immer höhere Streckgrenzen gefordert. Folglich wachsen die Anforderungen an die Umformverfahren, weshalb auch die Hersteller der für die Umformung benötigten Maschinen nicht auf ihrem Status quo verharren dürfen.
»Gerade hinsichtlich optimaler Pipeline-Rohre ist es wichtig, einen abgestimmten Herstellungsprozess zwischen den einzelnen Maschinen zu gewährleisten«, erklärt Marc Decker, Vertriebsleiter der Gräbener Maschinentechnik, einem der führenden Hersteller für Maschinen zur Großrohrherstellung. Gräbener war selbst bis 1997 jahrzehntelang Produzent von Großrohren. Zum damaligen Unternehmensverbund gehörte ein Sondermaschinenbauer, der unter anderem Maschinen für die Großrohrfertigung entwickelt, gebaut und weiterentwickelt hat. Decker: »Daher wissen wir nur zu genau, worauf es bei diesen speziellen Maschinen ankommt und was der Kunde von uns erwartet.«»Wichtig für die Produktion qualitativ hochwertiger Rohre ist zunächst der gründlich abgestimmte Formprozess zwischen einer Dreiwalzen-Biegemaschine oder Biegepresse, einer Nachrundepresse und einer Heftpresse, um ein exaktes Ergebnis für die nachfolgenden Prozessschritte zu erzielen«, führt Marc Decker aus. Doch biete die Biegepresse gegenüber einer Dreiwalzen-Biegemaschine einige Vorteile: Die Biegepresse sei universell einsetzbar für Rohre zwischen 16” und 64” Durchmesser und bis 60’ (18,3 m) Länge. »Und das ohne Werkzeugwechsel«, hebt Decker hervor. Zudem könnten auf der Biegepresse Rohre mit einem Rohrdurchmesser/Wanddicken-Verhältnis geformt werden, die auf einer Dreiwalzen-Biegemaschine nicht mehr geformt werden könnten. »Das bedeutet: kleine Durchmesser, große Wanddicken, was neben der Festigkeit einer Pipeline auch den Kosten zugute kommt, da weniger Material benötigt wird.«
Benötigt wird im weiteren Herstellungsverfahren eine Nachrundepresse, um die geraden Enden bei einer Wanddicke bis 40 mm zu runden und sie nicht mehr – wie in bisher üblich – vorzubiegen. »Die Gründe liegen auf der Hand«, erläutert Marc Decker: »Erstens erfolgt der Nachbiegeprozess Schritt für Schritt auf einer Länge von 800 bis 1000 mm – der Maschinenaufbau ist also recht klein –, es werden nur wenige kleine Wechselwerkzeuge für andere Abmessungen notwendig; zweitens ist der Prozess sehr schnell; drittens werden dabei keine Kanten beschädigt; und – viertens – Auswalzungen wie bei der Rollenvorbiege- oder Rollennachbiegemaschine gibt es nicht mehr.«
Nachdem die geraden Rohrenden nachgerundet worden sind, muss das Schlitzrohr so geheftet werden, dass kein Versatz der Längskanten entsteht. Erreicht wird das mittels einer speziell entwickelten Heftpresse von Gräbener, die per Laserscanner den Nahtversatz erkennt und dementsprechend das sogenannte Schlitzrohr so zusammendrückt, dass anschließend kein Nahtversatz zu erkennen ist. Das Schlitzrohr wird im kontinuierlichen Durchlauf ohne Nahtversatz geheftet.
Für den optimalen Schweißprozess sei eine exakte Kantenbearbeitung unabdingbar, hebt Marc Decker hervor: »Es muss gewährleistet sein, dass über eine Länge von 12 oder 18 m der Schweißsteg auch wirklich konstant ist und eine Kopiereinrichtung den Blechunebenheiten nachfährt.«
Um einen möglichst sauberen Schweißprozess zwischen den Rohren zu gewährleisten, setzen die Siegerländer eine Plattenfräsanlage ein. »Zwischen dem Brennen der Schweißkanten und dem Fräsen herrscht ein Unterschied wie Tag und Nacht«, versinnbildlicht Marc Decker: »Beim Fräsen entsteht keine Hitzeentwicklung auf das Material; die Wärme wird über die Späne abgeführt. Ferner erhält man beim Fräsen eine metallisch saubere Oberfläche, kann verschiedene Schweißkonturen fahren, und der Vorgang an sich ist viel schneller.«
Weitere Maschinen wie Endenbearbeitungsmaschinen, Kalibrier- und Impandierpressen oder Hydrotester gehören ebenfalls zur Angebotspalette von Gräbener. Zur kompletten Auslegung eines Großrohrwerkes liegen also alle Erfahrungen vor. Sie werden mittels modernster 3D-CAD-Systeme und Simulationsmodule ›zu Papier gebracht‹.
Das alles erhält der Kunde von der Gräbener Maschinentechnik aus einer Hand. »Sprich: nur ein Ansprechpartner für das Maschinenangebot«, betont Marc Decker. »Vom Aufbau der Maschine bis zum After-sales-Market.« Einer der Gründe, warum Gas Distanzen von mehr als 1200 km problem- und gefahrlos überwinden kann.
www.graebener-group.com
Hintergrund
Die Gräbener Maschinentechnik GmbH & Co. KG ist ein Unternehmen der Graebener Group mit Sitz in Netphen-Werthenbach.
Zur Gruppe gehören darüber hinaus die H. Kleinknecht & Co. GmbH, die Reika GmbH & Co. KG, die Verson Pressentechnik GmbH, die Hydroline Schrupp GmbH & Co. KG sowie die Graebener Group Technologies Ltd. (USA).