25. APRIL 2018

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Fließtaktfertigung als Erfolgsmodell


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<strong>Spitzenqualität nützt nichts, wenn sie unbezahlbar ist.</strong> Um aber eine Fertigung an einem Standort wie Deutschland oder der Schweiz mit hohen Löhnen und Abgaben zu halten, muss das Produkt ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis besitzen. Trumpf zeigt, wie sich Spitzenqualität zu vernünftigen Preisen produzieren lässt.

Für Qualität ist Trumpf seit jeher bekannt. Diese Qualität in allen Trumpf-Kerngebieten wie der Lasertechnik oder den Handwerkzeugen zu konkurrenzfähigen Konditionen dem Markt anzubieten, bedarf besonders am Produktionsstandort Westeuropa einer straffen Fertigung und Logistik. Seit Henry Ford ist bekannt, dass eine Fließbandfertigung in der Lage ist, technisch aufwendige Produkte in großen Mengen zu bezahlbaren Preisen zu erzeugen. Nun sind jedoch im Maschinenbau die Stückzahlen nicht so hoch, dass sich dies realisieren ließe. Daher geht Trumpf den Weg der Fließtaktfertigung.

Dies bedeutet, dass Trumpf etwa die Fertigung der Flachbett-Lasermaschine 3030, auf die noch näher eingegangen wird, in 32 Takte zerlegt hat. In jedem Takt montieren Spezialisten einen Teil der Maschine. Die dazu nötigen Module und Bauteile sind griffbereit am immer gleichen Platz. Selbst in Kisten verpackte zugelieferte Bauteile sind in der Reihenfolge der Entnahme gestapelt, sodass keine unnötigen Handgriffe die Montage stören.

Potenziale ausloten

Da nichts so gut ist, dass es sich nicht noch weiter verbessern ließe, trifft sich jedes Team, das für einen Takt zuständig ist, regelmäßig zu einem Gespräch, um weitere Rationalisierungsmöglichkeiten in seinem Produktionsbereich auszuloten. Diese können dann eigenverantwortlich ausgeführt werden. Auf diese Weise ist es Trumpf gelungen, durch die Abkehr von der Standplatzmontage, die noch bis zum Jahr 2000 bestand, die Montagezeit für die TruLaser-Baureihe von ehemals 294 Stunden auf 137 Stunden zu reduzieren.

Das ist eine Zeiteinsparung von über 53 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich die Produktivität von 350 auf 892 Maschinen pro Jahr. Das entspricht einem satten Plus von knapp 255 Prozent. Der Lohn dieser unermüdlichen Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten in der Maschinenproduktion und der dadurch einhergehenden Maschinenqualität schlägt sich in den Umsatzzahlen nieder. Dieser stieg von knapp 200 Millionen Schweizer Franken im Jahre 1996/97 auf knapp 970 Millionen Schweizer Franken im Jahre 2007/08. Die Kreativität, die durch dieses System aus jedem Mitarbeiter sprudelt, schlägt sich nicht zuletzt in den Produkten nieder.

Schneller Sparen

So ist es kein Wunder, dass Ewald Sprissler, Geschäftsführer von Trumpf Grüsch, einen weiteren Umsatzbringer vermelden kann. Interessierte mussten sich allerdings noch bis zur Euroblech 2008 gedulden, denn erst dort war die neue 3030 NEU offiziell zu sehen. Diese Flachbett-Lasermaschine sieht zwar ähnlich aus, wie das Vorläufermodell, ist aber von Grund auf neu entwickelt worden. Ausgestattet mit einem Fünf-kW-CO2-Laser, der selbst vor 25 mm dicken Blechen nicht kapituliert, besitzt die Maschine nun in der X-Achse einen Torque-Antrieb und in der Y- und Z-Achse jeweils Linearantriebe.

Dadurch konnte die Verfahrgeschwindigkeit von 85 m/min auf 140 m/min gesteigert werden. Eine neu entwickelte, bedienerfreundliche Steuerung führt noch schneller zum gewünschten Teil. Gerade das wichtige Thema »Energieeffizienz« ist im neuen Modell noch intensiver behandelt worden. Mittels einer »Standby«-Funktion kann der Energieverbrauch signifikant gesenkt werden, da das Turboradialgebläse abgeschaltet wird, wenn der Laser gerade einmal nicht schneidet. Zehn Kilowatt Energieeinsparung sprechen da für sich.

Fixer Düsenwechsel

Wenn sich Trumpf-Ingenieure austoben dürfen, dann richtig: die findigen Köpfe haben eine Lösung gefunden, die künftig das Wechseln des Schneidkopfes überflüssig macht, wenn sich die Materialdicke ändert. Rüstzeitensenkungen waren zudem das Ziel, den optionalen Düsenwechsler noch schneller zu machen. 20 Sekunden für einen Wechselvorgang sind ein Wort. Doch das ist noch längst nicht alles. In der Neukonstruktion verbergen sich noch weitere Highlights, die erst zutage treten, wenn es darum geht, die Service-Kosten niedrig zu halten. So sind alle Aggregate leicht zugänglich.

Zudem ist die Maschine trotz ihres Arbeitsraumes sehr kompakt und benötigt vergleichsweise wenig teure Hallenfläche. Darüber hinaus ist es mit der 3030 NEU nun möglich, den Palettenwechsler quer zur Maschine zu platzieren. Und wer durch die Anschaffung einer Trumpf-Maschine seinen Kundenstamm und sein Anwendungsspektrum steigern konnte, muss nicht befürchten, sein Invest zu verlieren, wenn das Wachstum weiter an Dynamik zunimmt, aber der Maschinenpark dafür nicht ausgelegt ist. Durch die Modularisierung ist Trumpf in der Lage, seinen Maschinen Fähigkeiten einzuverleiben, die ursprünglich nicht vorhanden waren. »Plug and Play« heißt das Zauberwort, das nicht nur PCs zu neuen Fähigkeiten verhilft. Der Einstieg in den Aufstieg ist so mit jeder Trumpf-Maschine quasi serienmäßig eingebaut.

Produzieren was bestellt ist

Diese durchdachten Details, hervorgegangen aus der jahrzehntelangen Erfahrung von Trumpf im Maschinenbau, werden gerade in den handgeführten Trumpf-Geräten im wahrsten Wortsinn begreifbar. Selbstverständlich wird auch in diesem Bereich die Trumpf-Produktionsphilosophie angewendet: Es werden nur Maschinen produziert, die bestellt worden sind. Dadurch haben Trumpf-Anwender die Gewähr, Maschinen stets auf dem neuesten Technik-Stand zu erwerben. Die durchdachte Trumpf-Produktion erlaubt es sogar, dass selbst die Bedienungsanleitungen just in time und darüber hinaus ausschließlich in der jeweiligen Landessprache gedruckt werden, wenn die bestellte Maschine den letzten Funktions- und Sicherheitstest bestanden hat.

Dies kommt nicht nur der Umwelt zugute. Diese überzeugende Fertigung setzt sich in der Konstruktion der Trumpf-Produkte fort. Wer sich einmal näher mit dem mechanischen Aufbau und den Detaillösungen der handbedienten Maschinen auseinandersetzt, wird schnell feststellen, dass dagegen viele Fernost-Produkte mehr als alt aussehen. Egal, ob es gilt, Rohre im Hochhaus-Rohbau zurechtzuschneiden oder Zehn-Millimeter-Profilstahl im Brückenbau zu trennen. Immer erledigen die handlichen Hightech-Produkte ihre Arbeit zuverlässig, schnell und im Bedarfsfall ohne Steckdose. Und durch ihren robusten Aufbau halten die Qualitätsprodukte in der Regel ein Handwerkerleben lang. Lediglich Verschleißteile müssen selbstredend besorgt werden.

Kennzeichnungspflichtig?

Damit das richtige Teil zur richtigen Maschine findet, sind diese beschriftet. Auf diesem Markt hat sich Trumpf mit seinen Laser-Markiermaschinen einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Gezielte Forschung und Entwicklung, für die Trumpf Grüsch zehn Prozent des Umsatzes aufwendet, wie Eckhard Meiners, Geschäftsführer der Trumpf Laser Marking Systems AG erklärt, haben die Geräte immer kleiner und zugleich leistungsstärker werden lassen. Auch hier ist die Modul-Bauweise von Trumpf vorherrschend, die sogar die Trennung von Optik und Laser mittels eines steckbaren Verbindungsschlauchs möglich macht. Trumpf liefert Beschriftungsanlagen für die Klein- und Serienfertigung ebenso wie für die Großserienbeschriftungen etwa von Getriebezahnrädern.

Mittlerweile ist die Lasertechnik so weit fortgeschritten, dass nahezu jedes Material beschriftet werden kann. Die Pulse sind trotz ihrer enormen Energiemenge so kurz, dass selbst entzündliches Material wie Pappe oder Kunststoffe problemlos beschriftbar wird. Selbst die Anlassfarben von Stahl lassen sich mittlerweile damit gezielt hervorrufen, was dem künstlerischen Bereich Inspirationen bietet oder für eine besonders irrtumsfreie und rasch ablesbare Beschriftung etwa in Kombination mit farbigen Logos genutzt werden kann. Da die Leute, die diese Werte schaffen natürlich nicht mal eben so von der Straße gepflückt werden können, hat Trumpf in Grüsch eine eigene Ausbildung eingerichtet, die auf jährlich zehn Auszubildende ausgelegt ist. Diese vorausschauende Unternehmenspolitik bewahrt die Qualität der Produkte und sichert das weitere Wachstum des Unternehmens.

Wer Gelegenheit hatte, die Euroblech zu besuchen, konnte jedenfalls auf dem rund 2.000 m2 großen Trumpf-Messestand viele Neuheiten und Weiterentwicklungen entdecken, die das Los des Blechbearbeiters erleichtern und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken. Neben den handlichen Elektro- und Druckluftwerkzeugen, dem fixen Beschriftungssystem und der Tru Laser 3030 NEU war die Tru Matic 7000 mit ihrem rasanten Tempo und zahlreicher weiterer Neuigkeiten zu bewundern und sorgte womöglich sogar für einige neidische Blicke.

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