09. DEZEMBER 2016

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Der Wirklichkeit voraus


Software von Autodesk lässt Maschinen sich bewegen, Autos fahren und komplexe Anlagen zum Leben erwachen, ohne dass dafür auch nur ein Bauteil hergestellt wurde. Und dieses können, kann in Zukunft entscheidend sein.

Ingenieure können heute bereits ein fertiges Produkt bis ins Detail betrachten und virtuell austesten, bevor auch nur ein Mechaniker sich ans Werk gemacht hat. So dürfen heute schon manche Kunden Maschinen und Anlagen bereits vorab betrachten und eventuelle Korrekturen vornehmen. Designer drehen und wenden ihre Kreationen unter den unterschiedlichsten Lichtbedingungen foto realistisch in Echtzeit. Komplexe Anlagen beginnen ihren Betrieb vor den Augen des Betrachters, ohne dass eine Schraube bestellt oder ein Blech gebogen worden wäre. Möglich macht dies die Software von Autodesk. Das 1982 in den USA gegründete Unternehmen hat sich innerhalb von 25 Jahren zum internationalen Konzern entwickelt.
Der Autodesk Weltpressetag in München stand unter dem Motto ›Technologie und Designinnovationen‹. Senior Vice President, EMIA, Karsten Popp, verantwortlich für die Stärkung der Marktposition von Autodesk in Europa, dem Mittleren Osten, Indien und Afrika, sieht vier Megatrends, die die Arbeit von Autodesk stark beeinflussen: »Die Digitalisierung unseres Lebens, die Globalisierung, ein weltweiter Infrastrukturboom und der Klimawandel. Wir stellen in all diesen Bereichen Tools bereit, die bereits in der Planung Ressourcen und Kosten sparen helfen.« Popp belegte dies mit zahlreichen Beispielen, so etwa zur Digitalisierung, die es erlaubt, weltweit Daten auszutauschen, Netzwerke zu bilden und weltweit Mitarbeiter und Talente zu suchen. Autodesk selbst arbeitet global, und dass Popps Verantwortungsbereich Europa allein im letzten Jahr um 18 Prozent gewachsen ist und mit rund 40 Prozent zum Gesamtumsatz des Unternehmens sogar vor dem US-amerikanischen Markt liegt, zeigt, dass Autodesk längst kein ›rein amerikanisches‹ Unternehmen mehr ist. Zu den Potenzialen des Unternehmens nahmen er und Roland Zelles, GF und Vice President CE Autodesk, Stellung: »Wir haben in etwa neun Millionen Anwender mit Softwarelizenzen weltweit und ›nur‹ etwa 25 Prozent arbeiten bisher in 3D.«
Dass Autodesk auch zukünftige Märkte fördert, erklärte Zelles anhand des Studentenförderprogramms: »Die ›Student Community‹ ist eine von Autodesk gesponserte internationale Kommunikationsplattform für Studenten und Dozenten aus Architektur, Ingenieurbau, Maschinenbau, Produktdesign sowie Animation und Games. Hier können sich die Studenten unsere Software kostenlos herunterladen, hier finden sie Diskussionsforen, Fragen und Antworten oder Elearning- Kurse, Curricula, Konstruktionsbibliotheken, Jobangebote und vieles mehr.«
Chriss Douglass, Autodesk Business Unit Director Mechanik und Maschinenbau, sowie Wolfgang Lynen, Marketing Solution Manager der Manufacturing Solutions Division, gingen näher ins Detail der Produkte. Die Fähigkeiten heutiger Autodesk-Software versetzt den Konstrukteur in die Lage, seine Produkte in 3D zu konstruieren, zu analysieren und zu visualisieren.

Simulieren, Visualisieren, Analysieren
Ein Beispiel ist etwa eine Voith Turbo-Lokomotive, die bereits vor der Herstellung des ersten Bauteils komplett analysiert werden konnte. »In heutigen Lokomotiven werden in etwa 600 bis 800 gebogene Rohre verbaut«, so Douglass zu einem dieser Details. Viele der Visualisierungsmöglichkeiten in Echtzeit finden sich in heutigen Computerspielen wieder — selbst die Hardcoregamer bedienen sich vieler Softwarebausteine von Autodesk, um ihre Figuren in Echtzeit in fotorealistischen Umgebungen zu bewegen. »Fast alle Autohersteller in Deutschland bedienen sich der Designsoftware ›Alias‹ und viele visualisieren ihre Modelle mit ›Showcase‹«, verriet Wolfgang Lynen. Dass die durchgängige Produktentwicklung vielerorts schon heute Realität ist, zeigte er an einigen Beispielen. Dass etwa die Software ›Inventor‹ mit vielen nativen Schnittstellen — etwa zu ›Pro/E‹, ›SolidWorks‹ und anderen — verbessert wurde und der Konstrukteur mit dieser CAD-Software bereits einige Bauteile direkt berechnen oder Werte aus empirischen Tabellen entnehmen kann, um so bereits in der Konstruktion weitere Arbeitsschritte vorwegzunehmen.
Nichts ist so aussagekräftig wie die Anwendererfahrung, sagte sich Autodesk und lud Anwender ein, aus ihrer Praxis zu erzählen. Für den Bereich Maschinen- und Anlagenbau war dies der CAD/PLM-Systemadministrator des Schweizer Straßenmaschinen- und -anlagenbauers Ammann, Bruno Meier. Er verwies mit einem Schmunzeln zum vorher Gesagten darauf, dass bei Ammann trotz der aufgezeigten Möglichkeiten der Software Inventor weiterhin die Spezialisten die Simulation und Berechnungen der Anlagen ausführen und dies nicht alles beim Konstrukteur ›abgeladen‹ würde. Meier zeigte auf, wie die 3D-Konstruktion in seinem Unternehmen funktioniert, in dem rund 80 Prozent der Konstruktionsteile Blechteile sind, die von der Konstruktion direkt mittels DXF-Creator und Bysoft-Maschinensoftware auf der (Bystronic) Laserschneidmaschine zugeschnitten werden können. Zudem lobte er die integrierten Analysetools, »Beim Dokumentieren werden uns Stunden an Arbeit abgenommen«, ging auf die Verbindung mit dem SAP-System ein, in dem alle Ammann- Artikel verwaltet werden. Übrigens, die gut 500.000 Bauteil- und Anlagenzeichnungen speichert Ammann als ganz normale Tiff-Datei. Dazu Meier: »Wir wollten ein möglichst primitives Datenformat, das wir selbst noch in dreißig Jahren lesen und ausdrucken können.«
Erik Schäfer

Ausgabe:
bbr 06/2008
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