24. JULI 2016

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Sichtlich gestärkt


Nach Der Fusion von Müller Weingarten mit Schuler darf sich Beutler Nova als Gewinner sehen. Schuler sagte den Schweizer Pressenbauern eine strategische Bedeutung im zukünftigen Schuler Weingarten Konzern zu.

15 Jahre Beutler Nova, dazu lud das Unternehmen nach Gettnau in der Schweiz. Doch nach dem Zusammenschluss von »Mutter« Müller Weingarten mit der Schuler AG standen für Beutler-Nova-CEO Hans Schärli zunächst andere Themen auf der Agenda. Bevor die ersten Pressevertreter zur Jubiläumsfeier eintrafen, sprach der Vorstand hinter verschlossenen Türen - so auch mit Dr. Markus Ernst, Mitglied des Vorstandes bei Müller Weingarten, der zukünftig auch dem Geschäftsbereich Standardpressen im neuen Schuler Weingarten Konzern vorstehen wird.

Es geht voran
Sichtlich gut gelaunt zeigte sich Beutler-Nova-CEO Hans Schärli, denn kurz zuvor war ihm und seinen Mitstreitern von Dr. Markus Ernst der Rücken gestärkt worden: »Wir werden im Konzern eine strategische Bedeutung erhalten. Als Hersteller von Kompaktpressen im Bereich von 125 bis 500 Tonnen kollidieren wir weder mit dem Maschinenprogramm von Schuler noch mit dem von Müller Weingarten. So können wir für den Konzern eine Art Türöffnerfunktion übernehmen, wenn unsere Kunden Bedarf an größeren Presskräften haben. Zudem profitieren wir im Service und beim Vertrieb von den Ressourcen des Gesamtkonzerns auf unserem Weg zur Internationalisierung.« Dr. Markus Ernst bestätigt, »die Beutler Nova AG hat für den Konzern eine strategische Bedeutung. Hier in der Schweiz wird ein wichtiger Player für Standardpressen des zukünftigen Schuler Weingarten Konzerns sein.« Man darf davon ausgehen, dass sich dies direkt auf die Investitionstätigkeit für den Standort Gettnau auswirken wird. Übrigens, die Pressen der Marken Beutler (»Swiss made« = komplett in der Schweiz gefertigt mit High-End-Komponenten) und Nova (»Swiss finish« und »Swiss Control« = in der Schweiz montiert und mit einer hauseigenen Steuerung versehen) gehen an Kunden in der Automobilzulieferindustrie, in der Unterhaltungs- und Haushaltsgeräteindustrie, in der Verpackungsindustrie sowie im Baunebengewerbe.

Erfolg mit »Nova«
Hans Schärli kommt natürlich anlässlich des 15-jährigen Firmenjubiläums auf die Geschichte der Beutler Nova AG zu sprechen, auf Aufs und Abs, das besonders enge Verhältnis zu den Kunden und die Bedeutung der Nova-Pressen für Beutler Nova: »Vor drei Jahren haben wir die Nova-Pressenreihen eingeführt. Sie sind in Sachen Preis-Leistung unschlagbar, denn wir haben bewusst auf das technisch Mögliche zugunsten des technisch Nötigen verzichtet. Die Pressengestelle lassen wir in Italien fertigen, montieren die Pressen dann hier in Gettnau und versehen sie mit unserer Pressensteuerung.«
Mit dieser Strategie haben die Schweizer bereits zahlreiche Kunden aus der Tschechischen Republik und auch Kunden in Polen, Asien und den USA gewinnen können - trotz der gnadenlosen »Billigkonkurrenz« auf eben jenen Märkten. »Mit Beutler haben wir ein High-End-Produkt mit allen Finessen im Portfolio. Mit Nova verdienen wir rund 80 Prozent unseres Umsatzes. Ohne Nova würde es Beutler nicht mehr geben«, so Schärlis klare Botschaft. Grund für diese Entwicklung ist auch, dass die hohen Investitionen für die Entwicklung von High-End-Pressen und deren Peripherieanlagen von kleinen Unternehmen nicht mehr allein gestemmt werden können.

Kundennähe
Die Beutler Nova AG hat rund 30 Mitarbeiter und erwirtschaftet in diesem Jahr etwa 18 Mio. Schweizer Franken (rd. 13,5 Mio. Euro). Das Unternehmen hat sich auf seine Kernkompetenzen, die Konstruk­tion und dem Bau von Pressen konzentriert. Für die Pressenperipherie - Vorschübe, Transfers et cetera - setzt Beutler Nova auf strategische Partnerschaften. Eine Besonderheit ist die besondere Beziehung der Schweizer Pressenbauer zu ihren Kunden. »Unsere Kunden sind kleine und mittlere Unternehmen, oftmals Inhaber geführt. Auch wir sind ein kleiner Mittelständler und sprechen die gleiche Sprache. Für uns sind 100.000 (Schweizer Franken) Umsatz noch viel Geld, über das wir uns freuen. Und wenn einmal irgendetwas nicht reibungslos klappen sollte, dann können mich unsere Kunden selbst anrufen, um das zu klären«, erläutert Hans Schärli sein Verständnis von Kundenservice.
Hans Schärli hat bereits in den vergangenen Jahren sein Gespür für Markt und Kunden bewiesen. Zum »Entsetzen« der damaligen Konzernleitung von Müller Weingarten schlug er einst den Verkauf der Pressen direkt vom LKW aus vor. Hans Schärli ließ den LKW in Pforzheim vorfahren. Dort stand der Sattelschlepper dann unübersehbar vor dem Eingang des Congress Centrums (CCP) just zur ersten Pforzheimer Stanzermesse - den Stamping-Days Pforzheim. Zur Verwunderung Außenstehender ver­kaufte Schärli damals alle mitgebrachten Pressen und zeigte seinem Mutterkonzern, wie der Markt bei den Kompaktpressen wirklich tickt. Das ist sicher nur eine von vielen Anekdoten, die man in Gettnau zu hören bekommt, doch sie zeigt äußerst lebendig, wie sehr sich das kleine Unternehmen auf seine Kunden einlässt, ihre Probleme und Sorgen versteht und ihnen eine passende Lösung präsentiert. Dafür steht auch die eigene Entwicklungs- und Konstruktionsabteilung, die erst kürzlich in ihr neues Gebäude hinter der Fertigungshalle einziehen konnte. Und auch bei der Fertigungshalle steht eine Erweiterung an - die Fundamente sind bereits in Beton gegossen. _
Erik Schäfer

Ausgabe:
bbr 07/2007
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