01. JULI 2016

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Lichtblick für Schwarzseher


Arbeitsgemeinschaft Laser für Materialbearbeitung tagte in Frankfurt

Als sich die maßgeblichen Herren der deutschen Laserbranche im Frankfurter Hilton zur VDMA-Jahres- Pressekonferenz der „Arbeitsgemeinschaft Laser für die Materialbearbeitung“ trafen, war ein Leuchten in ihren Augen nicht zu übersehen. Zweckoptimismus - oder stimmen die Zahlen?

Eines sei vorausgeschickt, die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft repräsentieren umsatzbezogen rund 90 % des Gesamtangebots in Deutschland und sind somit ein Spiegelbild der gesamten Branche, was das Zahlenwerk angeht. „Der erzielte Produktionswert (der in die Verbandsstatistik meldenden Unternehmen) auf dem deutschen Markt bei Lasern für die Materialverarbeitung stieg 2003 um 4 % auf 372 Mio. Euro, bei den Laseranlagen ging er um knapp 1 % auf 512 Mio. Euro zurück - zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum mußte der Maschinenbausektor von einem Minus vor den 8 Prozent berichten.“

Mit diesen Sätzen zeigte Gerhard Hein, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, daß die Branche trotz schwierigem Umfeld auch im letzten Jahr eine gute Figur gemacht hat und fuhr fort: „Top-Resultate konnten wir im Export erzielen und das Topergebnis von 2002 nochmals überbieten.“ Angesichts schwacher Dollars und starker Euros ist dieses Ergebnis um so höher zu bewerten. Für den Exportboom zeichneten vor allem die EU-Staaten, gefolgt von den USA und übrigen Ländern, wobei bei letztgenannten China dominiert (Japan wird extra aufgeführt). 2003 stieg im Laseranlagen-Bereich der Exportanteil um 8 % auf 355 Mio. Euro. Bei den Laser-Strahlquellen stieg der Export sogar um 14 % auf 149,8 Mio. Euro. Damit liegt der Exportanteil bei den Laseranlagen inzwischen bei über 69 % und bei den Laser-Strahlquellen bei über 40 %.

Erfolgsquelle
Dr. Peter Wirth, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Rofin-Sinar Laser in Hamburg und zugleich Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Laser für die Materialbearbeitung im VDMA, strahlte rundum Zufriedenheit aus. Sein Thema waren natürlich die Laserquellen. „Es gibt nur ganz wenige Branchen in Deutschland, die Top-Positionen in Weltranglisten für sich beanspruchen dürfen“, so Dr. Wirth zu Beginn, und belegte das für seine Branche anhand einiger Eckdaten. „Die deutsche Laserindustrie hat einen Marktanteil am Weltmarkt von fast 50 %. Das jährliche Wachstum der letzten Jahre lag bei 14 Prozent. Davon entfielen allein auf die Sektoren Schneiden, Schweißen und Markieren 13 Prozent.“ Bei diesen Zahlen dürfte der Neidfaktor anderer Branchen sicher beachtlich sein. Wenn man bedenkt, daß rund 2.000 Beschäftigte dem deutschen Lasersektor eine solche Position in der Welt verschafft haben und der Gewinn dieser „strahlenden“ Branche nach Steuern mit 5 bis 6 Prozent taxiert wird, dann ist hier noch die Welt in Ordnung. Daß der Laser eine „Enabling Technology“ ist, sich durch seinen Einsatz die Wirtschaftlichkeit, Geometrie-, Prozeß-, und Losgrößenflexibilität verbessern - hier nannte Dr. Peter Wirth etwa die Tastaturbeschriftung von PC-Tastaturen, die just-in-time mit dem Laser beschriftet werden, da man ja vor Auftragsvergabe nicht weiß, ob die Tastaturen nach China oder in die USA gehen -, sind einige Vorteile. Selbst in Sachen Automatisierung sind die kontaktlosen Schneid-, Abtrags- und Schweißlaser weit voran. Präzision und nicht zuletzt Innovation stehen in dieser Branche ganz oben auf der Liste. Und zum Schluß nennt Dr. Wirth noch ein ausgefallenes Einsatzbeispiel für das gebündelte Licht: „In England gibts derzeit einen Versuchsaufbau zum Laser-Reinigen von Schienen. Da reinigen vier Laser die Schienen von nassem Laub et cetera bei einer Zuggeschwindigkeit von 60 km/h. Auf den gereinigten Schienen können die Züge besser beschleunigen und präziser abbremsen, und so pünktlicher ankommen.“ Der Laser verkürzt also die Wartezeiten der Fahrgäste - speziell im Herbst.

Durchbruch Golf V
„Bei uns dominieren die Laserschneidanlagen mit CO2-Lasern“, so Martin Benzinger, Geschäftsführer der Trumpf Laser- und Systemtechnik GmbH in Ditzingen, dessen Thema Lasertechnik und Systeme für Laseranwendungen ist. „Wenn Sie sehen, daß ein Laser bis zu 500 Löcher mit 10 mm Durchmesser in einer Minute in ein Blech brennen kann, oder Schnittgeschwindigkeiten in 1 mm- Alu von 40 m/min erreicht werden, zeigt dies die Leistungsfähigkeit heutiger Laserschneidanlagen.“ Auch zwei grundlegende Trends stellt Martin Benzinger fest: „Ein eindeutiger Trend geht hin zu mehr Schneidleistung, das belegen unsere Daten. Der Anteil an 5-kWLasern liegt inzwischen bei 40 Prozent. Zudem wird die Automatisierung weiter voranschreiten. Im letzten Jahr war bereits ein Viertel unserer Laseranlagen Teil- oder Vollautomatisiert“, so der Geschäftsführer weiter. Was die Stückzahlen verkaufter Laser angeht, so liegen die Beschriftungslaser noch knapp vor den Schneidlasern. Bezogen auf den Umsatz ist der Schweißlaser ein Wachstumsmarkt. Hier spricht Martin Benzinger schon von Laserleistungen der CO2-Laser bis 15 kW! „Ein Durchbruch für die Schweißlaser war sicher der neue Golf V, der mit über 50 Prozent Laserschweißnähten aufwartet. Hier konnten wir auch unsere Strahlweichen mit den fliegend zuschaltbaren Abnehmern integrieren. Inzwischen haben wir mehrere Hundert Festkörperlaser an VW verkauft“, so der Geschäftsführer weiter. Aber auch di weiteren Technologien des Hauses Trumpf, wie den Scheibenlaser - der wohl bald mit 4 kW zu haben sein wird - oder die Scannertechnologie, die vor allem im Automobilbau für eine erhebliche Produktivitätssteigerung gesorgt hat. Dem auf der EMO in Mailand vorgestellten „Laserforming“, mit dessen Hilfe hochkomplexe Bauteile generiert werden können, bescheinigte Martin Benzinger einen guten Erfolg im Markt.

Viel produktiver
Wie sehr der Laser die Produktion verändert hat, erläuterte Dipl.-Ing. Germar Dietz, Geschäftsführer der Schuler Held Lasertechnik: „Wenn früher ein oder zwei Airbags im Auto die Regel waren, so sind es heute inklusive der Seiten-Airbags bis zu sechs Airbags. Die müssen heute zum gleichen Preis produziert werden, wie vorher zwei Airbags. Diese Aufgabe kann nur noch durch die Laserschneidtechnik bewältigt werden, da jeder Airbag, abhängig vom Automobil, andere Geometrien aufweist.“ An diesem Beispiel zeigt sich, wie hochflexibel das Laserschneiden gegenüber jeder anderen Technik ist. Der Preisdruck der Automobilbauer führt zwangsweise zu einer Umstellung der Produktionsprozesse. Daß der Laser beim Schneiden als auch beim Schweißen hier eine herausragende Stellung einnimmt, unterstreicht das Gesagte. Dr. Peter Wirth stellt an dieser Stelle gemeinsam mit Martin Benzinger die herausragende Stellung der deutschen Laserindustrie heraus. „Der Scheibenlaser ist in Europa entwickelt worden, hier finden Sie auch die Technologietreiber auf diesem Gebiet.“ Daß die deutsche Laserindustrie auf dem Gebiet des Schneidens, Schweißens und vielleicht auch des Laserformings technologisch führend in der Welt ist, verstehen die Macher der Branche nicht als Ruhekissen. Man gewinnt den Eindruck, daß hier eine Herausforderung gesehen wird. Ob Scheibenlaser - der bereits hier produziert wird -, ob diodengepumpter Stablaser - Rofin fährt hier zweigleisig zusammen mit Fanuc - oder der „mythische“ Faserlaser, der laut Martin Benzinger derzeit noch zu teuer in der Herstellung ist, kein Gebiet aus Forschung und Entwicklung blieb unangesprochen. Gerade die Entwicklung des Faserlasers, der nach Kenntnis der Anwesenden in Wissenschaftslabors bereits 800 Watt pro Faser erreicht, wird uns weiter beschäftigen. „Wenn die Leistung pro Faser auf 1.500 Watt steigt, könnte die Sache sich wirtschaftlich rechnen“, wirft Martin Benzinger ein, läßt aber offen, ob auch die Ingenieure seines Hauses dran sind, an dieser Zukunftsmusik.

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