30. SEPTEMBER 2016

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Strom ohne Wettbewerb?


WSM-Präsident Prof. Dr. Dieter Ameling »Ein klares Indiz für fehlenden Wettbewerb...« und VDEW-Hauptgeschäftsführer Dr. Eberhard Meller »Deutsche Stromkunden werden von rund 1.000 Stromanbietern umworben«.

PRO: Die steigenden Stromkosten beeinträchtigen die energieintensive Industrie in ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. An der Strombörse EEX liegt der Preis für Grundlaststrom gegenwärtig bei über 50 Euro je Megawattstunde - und damit 50 Prozent über den Vollkosten für neue Stein- und Braunkohlekraftwerke. Ein klares Indiz für fehlenden Wettbewerb ist, dass Preise und Kosten derart auseinanderklaffen. Ursache ist die hohe Anbieterkonzentration. Fast 85 Prozent der Stromerzeugungskapazitäten werden in Deutschland durch die vier großen Energieversorger kontrolliert. Zwar nehmen am Börsen­handel der EEX annähernd 150 Händler, Regionalversorger, Stadtwerke und Banken teil, sie müssen ihren Strom aber bei den großen Energieversorgern einkaufen und können diese nicht unterbieten. Stromimporte werden an den Grenzen durch die unzureichenden Netzkuppelstellen beschränkt und verteuert. Die Politik muss auf einen Ausbau dieser Verbindungen hinwirken. Das sieht auch das Bundeskartellamt so. Erst wenn industrielle Verbraucher in ganz Europa Stromlieferungen einkaufen können, wird aus dem engen nationalen Oligopol ein europäischer Markt mit mehreren Wettbewerbern.

Prof. Dr.-Ing. Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl


CONTRA: Die deutschen Strom­kunden werden von rund 1.000 Stromanbietern umworben. Diese Unternehmensvielfalt ist einzigartig in Europa. Alle Stromkunden in Deutschland können ihren Anbieter frei wählen. So haben seit Eröffnung des Wettbewerbs alle Stromkunden in der Industrie und ein Drittel der Haushalte neue, günstigere Verträge ausgehandelt und teilweise den Anbieter gewechselt. Allerdings hat der Staat gleichzeitig Steuern und Abgaben kräftig erhöht. Der Staatsanteil an der Stromrechnung für die Betriebe kletterte seit 1998 im Mittel von zwei auf 20 Prozent. Die deutschen Stromunternehmen brauchen im Wettbewerbsbereich der Stromerzeugung weder Nachhilfe noch ein Zurück zu staatlicher Steuerung. Staatliche Preiskontrollen oder die Begrenzung von Erzeugungskapazitäten würden den Wettbewerb sogar bremsen. Der Wettbewerb im Strommarkt braucht Preissignale und keine politischen Blockaden. Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland beim Vergleich der Wettbewerbsintensität im Strommarkt sehr gut ab. Der größte Stromerzeuger in Deutschland kommt auf einen Marktanteil von 28 Prozent, ermittelte die Europäische Kommission. In Belgien hat der größte Stromproduzent dagegen einen Marktanteil von 82 Prozent, in Frankreich 75 Prozent der Stromproduktion des gesamten Landes.

Dr. Eberhard Meller, VDEW-Hauptgeschäftsführer

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