26. SEPTEMBER 2016

zurück

kommentieren drucken  

Kommt die E-Klasse?


Wohin geht die Pressenantriebstechnik?

Servomotoren und Spindelantriebe - können sie den Pressen- und Gesenkbiegepressenbau revolutionieren? Ob auf der EMO eine Schmiedepresse oder auf der Südblech eine Werkstatt- und Probierpresse, das Antriebskonzept sorgt neben kleineren Baumaßen auch für Aufsehen. Doch wird das Prinzip im größeren Maßstab Einzug in den Pressenbau halten? Wir fragten einige renommierte Pressenbauer worin Sie Vor- und Nachteile dieses Antriebskonzeptes sehen. Wir haben die Antworten Alphabetisch nach Unternehmensnamen gegliedert und danken allen Einsendern für ihr Statement.

Christof Behrendt, Gesamtvertriebsleiter, Amada GmbH, Haan
?Noch ist es fraglich, ob neuartige Antriebskonzepte im großen Maßstab Einzug in den Pressenbau halten werden, wir haben jedoch bereits Maschinen im Programm, die mit solchen Antrieben ausgestattet sind. Grundvoraussetzung für das Angebot einer neuen Amada-Technologie ist zunächst, daß sie auf die Anforderungen der Märkte und die Vorteile für den Kunden ausgerichtet ist. So hat Amada derzeit in seiner Biegezelle Astro-100 NT eine Abkantpresse im Einsatz, bei der der Antrieb des Preßbalkens über ein servo-hydraulisches Konzept erfolgt. Dies hat eindeutige Vorteile, wie zum Beispiel einen geringeren Energieverbrauch, Reduzierung des Hydrauliköleinsatzes sowie der Öltemperatur und einen geringeren Wartungsaufwand. Dieses Konzept hat sich mittlerweile erfolgreich im Markt bewährt. Dennoch bietet es natürlich, wie jede andere Technologie auch, nicht nur Vorteile. Die Nachfrage bei den konventionellen Abkantpressen mit herkömmlichen Antriebskonzepten ist jedoch keineswegs rückläufig, denn auch diese haben ihre klare Existenzberechtigung und eindeutige Vorteile. Derzeit kann man kann von einem kleinen Trend zu neuartigen Antriebskonzepten sprechen. Es ist jedoch keineswegs eine Eindeutigkeit erkennbar, die dazu führen würde, daß Amada die bewährten Konzepte aufgrund dessen fallen läßt. Dennoch hören wir sehr sensibel auf die Signale des Marktes in diesem Teilbereich und werden, bei einem sich verstärkenden Trend, entsprechend reagieren. Denkbar wäre bei einer verstärkten Nachfrage zum Beispiel, die HDS-Abkantpresse aus der Biegezelle Astro-100 NT als Singel-Maschine in das Amada-Programm aufzunehmen.?

Josef Hafner, Leiter Technik, Bruderer
?Bei Bruderer denken wir nicht an die Fertigung von Spindelpressen. Unsere Kernkompetenz liegt in der Entwicklung und Fertigung von Hochleistungs-Stanzautomaten. Diesem Segment bleiben wir auch weiterhin treu. Ob sich die Spindelpressen durchsetzen, können wir sehr schwer beurteilen. Sicher gibt es einige Vorteile wie die variable Geschwindigkeitssteuerung aber ob dieser Vorteil die etlichen Beschränkungen aufwiegen vermag, wird sich erst mit den ersten praktischen Erfahrungen im Feld weisen. Sicher haben die Spindelpressen im Werkzeugbau als & pos;Probierpressen& pos; eine gute Chance.?

Dr.-Ing. Jürgen Hohnhaus, Prokurist, Bereichsleiter Technik Umformtechnik, Dieffenbacher GmbH & Co, Eppingen
?Das Thema ist auch für uns interessant und wird beobachtet. Bisher haben wir aber keine Aktivitäten hierzu unternommen. Für kleinere Pressen sind Servoantriebe heute schon denkbar, für größere Preßkräfte jedoch nicht. Bei einer Weiterentwicklung der Servo und Linearantriebe, sind diese als Antriebssystem durchaus vorstellbar.?

Dipl.-Ing. Markus Roos, Geschäftsführer der Haulick + Roos GmbH, Pforzheim
?Im Bereich der Blechverarbeitung ist uns bekannt, daß es erste mit Servomotoren angetriebene Pressen gibt, die mit Hilfe von Spindeltrieben die Hubbewegung erzeugen. Nach unseren Informationen sind dabei folgende Eigenschaften im Vergleich mit Pressen anderer Bauart, beispielsweise mit Exzenterantrieb von Bedeutung. Die maximal erreichbaren Stößelgeschwindigkeiten und Hubzahlen sind relativ klein. Die Stößelkinematik ist frei programmierbar. Die Ausführung dieser Pressen ist mit relativ geringer Baugröße bezogen auf die Nennkraft möglich. Bei entsprechender Regelung und Anordnung der Antriebskomponenten sind außermittig eingeleitete Belastungen möglich. Es sind eventuell mittel- bis langfristig Anwendungen in bestimmten Marktsegmenten denkbar. Bei Erprobungs- und Versuchspressen sind diese Antriebe aufgrund ihrer kinematischen Möglichkeiten aus unserer Sicht von Vorteil. Ebenso ist ein Einsatz für Kleinserien mit wechselnden Anforderungen denkbar. Aufgrund der obengenannten Eigenschaften werden aus heutiger Sicht Antriebe mit Servomotoren und Spindeltrieben derzeit den Pressenmarkt nicht revolutionieren.?

Dipl.-Ing. Hans Hofele, Leiter Vorentwicklung und Vertrieb Blechumformanlagen, Schuler Pressen GmbH & Co. KG, Göppingen:
?Servoantriebe erhöhen die Flexibilität von Pressen. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, daß eine Kombination von Servoantrieb und Schwungmasse Sinn macht, um die elektrische Anschlußleistung nicht unnötig in die Höhe zu treiben. Für kleinere Preßkräfte ist eine Kombination von Servomotor und Spindelgetriebe vorteilhaft, da dann keine zusätzliche Stößelverstellung benötigt wird. Die Spindeltechnik ist jedoch bezüglich der Tonnage begrenzt. Pressen mit Servoantrieb werden in Zukunft zunehmend eine Rolle spielen. Die Verwendung des Schwungrades als Energiespeicher ist jedoch bei mittleren und großen Preßkräften weiterhin von Vorteil.?

Dipl.-Ing. Bernhard Fischereder, Leiter des Bereiches Entwicklung Mechanik-Hydraulik, Trumpf Maschinen Austria Ges. mbH & Co. KG
?Als Vorteile eines Spindelantriebes gegenüber der Hydraulik ist die wesentlich höhere Steifigkeit gegenüber einer hydraulischen Achse zu nennen. Das in beiden Richtungen (auf - ab) vorgespannte System ermöglicht eine hohe Dynamik und zudem eine genauere Positionierung bei hohen Zykluszeiten. Das Temperaturverhalten Spindel (weniger Reibung als Hydraulikachse) zählt genauso zu den Vorteilen wie die Tatsache, daß Hydrauliköl als Medium für die Leistungsübertragung entfällt (Umwelt-, Serviceaspekte). Nachteile von Spindelantrieben gegenüber der Hydraulik bestehen in der auf circa 85t bis 120t Maschinenpreßkraft begrenzten Kraftübertragung durch die Spindel. Zudem ist ein wesentlich höherer Sicherheitsaufwand, Kategorie 4 (Riemenbruchüberwachung, 2 Riemen pro Antrieb, Kraftbegrenzung, Spindelbremsen et cetera), nötig. Auch die geringere Lebensdauer der Spindel bei höheren Belastungen schlägt negativ zu Buche. Die Kosten elektromechanischer Antriebslösungen sind derzeit nur für kleinere Tonnagen tragbar. Generell sind Spindelantriebe als elektrischer Hauptantrieb bis mittlere Tonnagen denkbar, jedoch besteht der Wunsch nach neuen belastbareren Spindeltrieben. Für hohe Tonnagen ab 130t und aufwärts wird daher die Hydraulik in absehbarer Zeit unersetzbar bleiben.?

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren...

Kurzhubprinzip reduziert Zykluszeiten

Kurzhubprinzip reduziert Zykluszeiten

Schuler Hydroforming und Schuler SMG haben gemeinsam ein neues IHU-Pressenkonzept mit Unterkolbenantrieb entwickelt und erstmals realisiert. Der neue Anlagentyp wird die Produktpalette erweitern und die bisher gebauten IHU-Pressen sinnvoll ergänzen. » weiterlesen
Die digitale Revolution geht weiter

Die digitale Revolution geht weiter

Vor knapp 30 Jahren wog eine WIG-Schweißanlage der Leistungsklasse 150 Ampere rund 80 kg. Heute bietet Fronius ein Gerät vergleichbarer Leistung mit vier kg an. Während früher die Toleranzen beim Schweißen einen oder mehrere Millimeter betrugen, produzieren Automaten und Roboter jetzt im 0,1-mm-Bereich. Auch dies sind Auswirkungen der Digitalisierung. Neben diesen leicht erkennbaren Fakten gibt es aber zahlreichende gravierende, die erst auf den zweiten Blick deutlich werden. » weiterlesen
Profilierte Strategie

Profilierte Strategie

Welser Profile - Was haben die sechs Seiten eines Würfels mit Unternehmensstrategie zu tun? Und was bedeutet B.E.S.T.? » weiterlesen

"Geschlossene Gesellschaft"

Die chemische Oberflächenbehandlung von Rohren unterscheidet sich zwar je nach Grundmaterial und Produktanforderung im Detail, doch behalten wichtige Anforderungen an die Anlagentechnik in allen Branchen ihre Gültigkeit. » weiterlesen
Der Experte fürs Schneiden und Stanzen

Der Experte fürs Schneiden und Stanzen

Gemäß seinem Bestreben, immer die beste Softwarelösung für die Blechbearbeitung anzubieten, hat Lantek, Darmstadt, auf der Südblech eine erste Version seiner umgestalteten Top-Lösung „Lantek Expert“ vorstellen. Dieses Programm wird ab Mitte des Jahres die Auftragsverwaltung in das Schneid- beziehungsweise Stanzprogramm integrieren. Um schneller auf die Herausforderungen des Marktes und der Kunden reagieren zu können, wurde zudem die Mitarbeiterzahl der Entwicklungsabteilung nahezu verdoppelt. » weiterlesen
 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv

  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Themenvorschau bbr (PDF)

bbr Bänder Bleche Rohre - Themenvorschau

 

bbr Sonderhefte und Supplements