29. JUNI 2016

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Vom Kontor zum Allrounder


Fokus/Metallbearbeitung

Schon wenige Angaben machen neugierig: Ein Unternehmen hat sich vom regionalen Handelshaus zu einer internationalen Werkbank de luxe mit sehr guter Bonität entwickelt. Die Auflösung: Es handelt sich dabei um die von Schaewen AG, die tief verwurzelt seit über acht Jahrzehnten am Stahlstandort Essen aktiv ist.
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Für viele war 1931 ein sehr schlechtes Jahr, denn wegen der Weltwirtschaftskrise und dem Konkurs von rund 70000 Betrieben waren fast sechs Millionen Menschen arbeitslos. Ein Hoffnungsschimmer waren damals Jungunternehmer wie Wilhelm von Schaewen, der entgegen dem Zeitgeist in Essen ein Stahl- und Eisenhandelshaus gründet. Das Kontor verkauft unter anderem Werkzeuge, Stabstahl und Bleche. Bereits zwei Jahrzehnte später folgt der Einstieg in die Produktion. Unter seinem Sohn Horst wandelt sich das einstige Handelshaus nach dem Zweiten Weltkrieg zum Dienstleister, der Werkstücke aus Stahl mechanisch bearbeitet. Es folgen der Bau eines neuen Lager- und Fertigungsbetriebs und der Kauf eines Hammerwerks in Hückeswagen bei Wuppertal, das Horst von Schaewen zum modernen Schmiedewerk erweitert.

2006 löst ihn sein Sohn Alexander von Schaewen in der Geschäftsführung ab, der seitdem das Familienunternehmen mit seinem Schwager Uwe Metzger leitet. Auch die dritte Generation setzt auf Expansion: Die neuen Vorstände errichten Vergütereien in den Schmiedebetrieben und eröffnen einen Schweißfachbetrieb. Etwa zur gleichen Zeit schreitet die Internationalisierung weiter voran: Es folgt die Gründung des Unternehmens von Schaewen Polska Sp. z o.o. in Swietochlowice in Polen, das Bauteile mechanisch bearbeitet und schweißt. Den internationalen Vertrieb unterstützen Vertretungen und Repräsentanten unter anderem in Spanien, Türkei, Frankreich, Finnland oder Brasilien. Heute besteht die Unternehmensgruppe aus der von Schaewen AG sowie den vier produzierenden Tochtergesellschaften ameca von Schaewen GmbH, SSK von Schaewen Hückeswagen GmbH, SSK von Schaewen Wetter GmbH und von Schaewen Polska Sp. z o.o., die an ihren Standorten in NRW und Polen über eine Produktionsfläche von rund 125 000 Quadratmetern verfügen.

Das Zauberwort des Geschäftsmodells lautet »just in time«: Dank eines Lagervorrats von über 70000 Tonnen Rohblöcken, Stabstahl und Blechen sowie einer entsprechend gut organisierten Transportlogistik mit eigenem Fuhrpark können die Essener maßgeschneiderte Bauteile in wenigen Tagen liefern. Das Leistungsprogramm unterteilt sich in die Hauptbereiche Lieferprogramm und zusätzliche Leistungen. Die Essener liefern Schmiede- und Flachprodukte, Stabstahl, Stahlkonstruktionen und Großmechanik. Außerdem bilden sie die komplette Wertschöpfung eines Stahlverarbeiters ab – von der Wärmebehandlung über Sägen, Strahlen und Grundieren, Verpacken und Versenden bis hin zur Qualitätssicherung.

Großer Maschinenpark

Im Detail entstehen in der Unternehmensgruppe Freiformschmiedestücke und geschmiedeter Stabstahl. Die Essener fertigen auf drei CNC-Freiformschmiedepressen mit maximal 30 Meganewton Presskraft Bauteile in Rund-, Vierkant- und Flachabmessungen sowie abgesetzt geschmiedete Wellen, Kolbenstangen mit angeschmiedeten Augen, Lochscheiben und sonstige Hohlkörper.

30 Horizontalbandsägen übernehmen das Konfektionieren von rechteckigen und runden Stabstahlabschnitten. 14 Brennmaschinen fertigen außerdem bis zu 1400 Millimeter dicke Maßbleche und Schweißkonstruktionen bis zu 60 Tonnen.

Dieses Dienstleistungsprogramm rundet die mechanische Bearbeitung ab: Ein moderner Maschinenpark mit über 30 Werkzeugmaschinen von Tischbohrwerken und Bearbeitungszentren bis hin zur Gantry-Portal-Fräsmaschine übernimmt alle gängigen Zerspanungsaufgaben. Vorstand Alexander von Schaewen: »Wir liefern je nach Kundenwunsch vom Rohprodukt bis zum einbaufertigen Erzeugnis praktisch jede Fertigungsstufe.«

Das Konzept ist aufgegangen: Rund acht Jahrzehnte nach der Gründung des Kontors steht das heute in der dritten Generation geführte Familienunternehmen gut da. Rund 500 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von mehr als 120 Millionen Euro. Die von Schaewen AG ist mit einem Exportanteil von rund 35 Prozent und einem Grundkapital von 18 Millionen Euro gut aufgestellt. Entsprechend hoch fiel auch der sogenannte Bonitätsindex mit 187 aus, der international einer sehr guten Bonität von BBB (S&P) entspricht, von der viele Staaten und Konzerne weltweit träumen.

Nikolaus Fecht
www.von-schaewen.de


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Ausgabe:
bbr 06/2014
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