30. JUNI 2016

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Präzision hat Zukunft


Mit besten "Zutaten" in neue Märkte

Absolutes Neuland betritt Bruderer, Frasnacht, mit seiner neuen 2.500-kN-Presse mit rund 65 Tonnen Gesamtgewicht. Und die Vorstellung dieses „Giganten der Unternehmensgeschichte“ geschah dann auch noch im gleichen Jahr mit dem 60. Firmenjubiläum. Anläßlich einer 11 Tage währenden Hausmesse wurden Kunden, Interessenten und Pressevertretern aus dem In- und Ausland neben den bekannten Hochleistungs-Stanzautomaten und Vorschüben, auch der neue BSTA 2500-250 BF vorgestellt, der direkt vom Reißbrett weg nach Italien verkauft wurde.

Daniel Troxler, Produkt Manager von Bruderer hatte einiges zu bieten, als er die Redakteure verschiedener Fachzeitschriften in den neuen Schulungsraum, direkt unter den Montagehallen der Bruderer AG, bat. Denn das dynamische Unternehmen hat ein Projekt konsequent zur Marktreife gebracht, das als das Größte der Unternehmensgeschichte gilt. „Mit dem Hochleistungs-Stanzautomaten BSTA 2500-250 BF haben wir nicht nur die größte Maschine des Unternehmens entwickelt und gebaut, sondern auch in Sachen Präzision sowie Steifigkeit Maßstäbe gesetzt. Der BSTA 2500 ist mit den besten Zutaten des Hauses ausgestattet und wurde völlig neu konzipiert. Er ist also nicht lediglich eine Vergrößerung einer vorhandenen Bruderer Maschine.“

In neuen Dimensionen
Bruderer machte sich Ende der 50er-Jahre daran die ersten Hochleistungs-Stanzautomaten auf dem Markt zu bringen. Wie der BSTA 60, der laut Daniel Troxler auch gleich mit einer dreifach höheren Produktivität, als die bisher am Markt verfügbaren Maschinen aufwarten konnte, wurden schon immer neue Maßstäbe gesetzt. Daß Bruderer sich nun in das Segment der wirklich großen Stanzautomaten gewagt hat, führt der Produkt Manager auf Kundenanfragen zurück. „Das bedeutet nicht, daß es nicht bereits Maschinen in diesem Segment gäbe, die Anfragen bedeuteten für uns, daß die Kunden nach einem Hochleistungs-Stanzautomaten suchten, der auch hinsichtlich hoher Präzision, Produktivität und Leistung weitergehen sollte als bekannte Automaten.“ Die Herausforderung war also groß und die Schweizer Spezialisten nahmen sie an. Ein guter Kunde aus Italien, die Euro-Tranciatura/Corrada, Spezialist in Sachen Elektroblechverarbeitung, orderte die BSTA 2500 denn auch gleich vom Reißbrett weg; Vertrauen verbindet.

Der leichte „Riese“ der es in sich hat
Auf der Hausmesse konnte der neuen Maschine auch gleich bei der Arbeit zugesehen werden. In ihren großen Werkzeug-Einbauraum von 2.500 mm Länge und der lichten Weite von 800 mm zwischen den Stützen, werkte ein Spezialwerkzeug des italienischen Herstellers Corrada, Lainate (Mitglied der Euro-Gruppe). Der Präsident des Unternehmens, Dott. Ing. Giancarlo Corrada war selbst anwesend, als die 2.500-kN-Presse von Bruderer die ersten paketierten Rotoren und frei fallenden Statoren aus dem Elektroblech stanzte.

Die größte Leistung der Bruderer-Ingenieure bestand darin, neben den bewährten Maschinenkomponenten und Systemen, den neuen Hochleistungs-Stanzautomaten leicht zu bauen. Es gelang ihnen die bewegten Massen auf etwa 12 Tonnen zu limitieren. Durch die Technik mit vier Drucksäulen welche den Stößel antreiben, den ausgeglichenen Massen und der bewährten Bruderer-Stößelführung in der Bandlaufebene, erzielten die Ingenieure eine extrem stabile Konstruktion. Die Stößelführung sorgt auch bei außermittiger Belastung dafür, daß es zu keiner Auslenkung der Stempel kommt. „Auch in Sachen Hubzahlen wurden unsere Erwartungen erfüllt oder gar ein wenig übertroffen. Die gezeigte Anwendung läuft in einem 25-mm-Hub mit 400 Hüben einwandfrei, was einer Verdoppelung der Produktionsgeschwindigkeit gegenüber der bislang beim Kunden eingesetzten Maschine entspricht“, freut sich Daniel Troxler. Ausgestattet mit dem Doppel-Triebwerk ist der BSTA 2500 in verschiedenen Festhubvarianten von 16 bis 60 mm erhältlich und erreicht im kleinsten Hub 750 Hübe pro Minute.

Die extreme Kippsteifigkeit in allen Richtungen kommt vor allem den Werkzeugstandzeiten entgegen. Hier gilt es auch das extrem kleine Gesamtlagerspiel zu erwähnen, denn das sorgt neben der präzisen Führung auch für eine hohe Lebenserwartung. Der mit der B-Steuerung von Bruderer ausgestattete Hochleistungs-Stanzautomat ist zudem mit der dynamischen und geschwindigkeitsabhängigen Stößelkorrektur ausgestattet, die die UT-Lage des Stößels in allen Betriebszuständen konstant hält.

Ein komplettes Paket
Bruderer ging mit dem BSTA 2500-250BF mit präzisen Vorstellungen in ein neues Marktsegment. „Nach den ersten Anfragen 1998 begann Bruderer im Jahre 2000 mit der Projektierung des BSTA 2500-250BF“, erklärt Daniel Troxler. Drei Jahre später ist der „leichte Koloß“ nun betriebsbereit. Bruderer öffnet sich damit dem speziellen Marktsegment der Elektroblechfertigung und spricht in Europa von einem Bedarf von rund 10 Maschinen pro Jahr. „Davon wollen wir drei Stück liefern“, so der Produkt Manager selbstbewußt.

Doch auch was die Materialzuführung des BSTA 2500 betrifft, konnte Bruderer eine Neuentwicklung präsentieren. Der mechanische Walzenvorschub BBV 450. Außerordentliche Vorschubleistung bei höchster Schrittgenauigkeit, dies erreichten die Ingenieure durch die Reduktion der Massenkräfte, der stabilen Bauart sowie sorgfältigster Berechnung für Schwingungen und Verhalten. Der Vorschub arbeitet mit oszillierenden Walzen für die Vorschubbewegung und mit Klemmleisten, die das Band während des Stanzvorganges festhalten. Eine einfach einstellbare Bandlüftung die ausgeklügelte automatische Banddickeneinstellung und die standardmäßig mit einer hydraulischen Klemmung ausgestattete Höhenverstellung sind weitere Merkmale des BBV 450. Die Verstellung der Vorschublänge ist motorisch angetrieben und während des Betriebes stufenlos verstellbar. Die maximale Vorschublänge beträgt 500 mm und es kann bei entsprechender Vorschublänge eine maximale Hubzahl von 1.000 Hüben pro Minute erreicht werden. Blechdicken bis 12 mm und Bandbreiten bis 500 mm kann dieser Vorschub präzise bewältigen. Der Antrieb erfolgt mechanisch von der Hauptwelle des Stanzautomaten über eine Gelenkwelle zum Bandvorschub.

Auf einer Betriebsfläche von 34.000 m² arbeiten am Standort Frasnacht am Bodensee derzeit 377 Mitarbeiter. Davon sind 27 Auszubildende und in dieser Gruppe allein 6 zukünftige Konstrukteure. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen noch etwa 330 Mitarbeiter im Ausland, wovon etwa 230 Mitarbeiter bei der 80-Prozent-Tochter Kaiser in Bretten-Gölshausen beschäftigt sind. Hier werden die großen Pressen bis 1.000 Tonnen gebaut. Seit seiner Gründung 1943 hat Bruderer weltweit über 12.000 Maschinen ausgeliefert und auch dieses Jahr begann für das innovative Maschinenbau-Unternehmen recht verheißungsvoll. „Wir hoffen, daß diese Entwicklung einen Trend markiert“, so Daniel Troxler, denn die Kaufzurückhaltung der letzten Zeit ist sicher auch an den Schweizern nicht spurlos vorübergegangen.

Spezialisten in Sachen Präzisionsfertigung
Das Unternehmen weist eine hohe Fertigungstiefe auf. Bis auf eine Gießerei oder Härterei findet sich hier so etwa jede Fertigungstechnik des Maschinenbaus. Ein hochmoderner Maschinenpark mit Dreh-, Bohr- und Fräszentren, wovon allein der „Mazak“-Maschinenpark nur zwischen ein und drei Jahren alt ist und selbstverständlich das hochspezialisierte Personal sorgen für die erwartete hohe Güte der Stanzautomaten, Vorschübe und all die anderen Bauteile, die die Fachleute auch für Fremdunternehmen fertigen. Derzeit werden etwa 6.800 Werkzeuge im Werkzeug- und Einrichtlager der mechanischen Fertigung bevorratet. Einen Bestand an etwa 45.000 aktiven Bauteilen gilt es logistisch zu verwalten, wobei 20.000 Bauteile im Werk selbst gefertigt werden.

Mehr als „nur“ das neuste Modell
Selbstverständlich war der BSTA 2500-250BF nicht das einzige Exponat der Hausmesse. Der BSTA 500-110B, mit der B-Steuerung etwa, war in einer Fertigungslinie zu sehen. Mit einem Stanzwerkzeug der Güntensperger AG aus Bubikon fertigte der „Allrounder“ Kleinteile aus Federstahl. Weitere Exponate einzelner Maschinenkomponenten verdeutlichten die Bruderer-Technologie und gaben Aufschluß darüber, weshalb die Schweizer Maschinen neben der Präzision auch mit einer langen Lebensdauer glänzen.

Zurück zu den Wurzeln
Wenn man den Organisatoren der Hausmesse eines bescheinigen kann, dann ist es auch die Präzision bei der Organisation. Etwa 520 Besucher wurden für diese Hausmesse erwartet. Neben dem eindrucksvollen Maschinenpark, zeigten die Schweizer eine fein ausgestaltete „Alpenlandschaft“ im Bewirtungsbereich, der in der Werkshalle direkt am Anschluß der ausgestellten Exponate angesiedelt war. Hier im Trockenen waren einige Häuser der Region auf großen Leinwänden zu sehen, und ein original „Biergarten“ mit originalen Tischen und Bänken eines lokalen Restaurants aufgebaut. Das Ganze mit vielen Details ausgeschmückt, unterstrich den Hang zur Präzision. Hier konnten sich die Gäste mit den regionalen Köstlichkeiten stärken und Fachgespräche in ruhiger Atmosphäre führen. Und noch ein weiteres, unverzichtbares Detail stellte Bruderer hier aus: Das Exponat, das eher wie eine Requisite anmutete, war eine Bruderer-Wäschepresse. Mit diesem Modell begann Egon Bruderer vor 60 Jahren sein Unternehmen aufzubauen und gleichzeitig begann der Aufstieg des Unternehmens zum Hochleistungs-Stanzautomaten-Hersteller. Geschäftsführer Markus E. Bruderer und seine Mannschaft haben wieder einmal gezeigt, daß Ideen Zukunft haben können. In diesem Fall zumindest schon seit 60 Jahren, und nicht nur der größte Bruderer-Hochleistungsstanzautomat deutete die Zukunft des Unternehmens an. Die derzeitige erfreuliche Geschäftsentwicklung in solch schwierigen Zeiten zeigt einmal mehr: Präzision hat Zukunft.

Ausgabe:
bbr 06/05/2003
Unternehmen:
Bilder:

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