09. DEZEMBER 2016

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In einem Prozess entgraten, verrunden und feinschleifen


Technik/Flächen und Kanten

Technologiewechsel - oder: Wie der Schweizer Blechbearbeitungsspezialist Hans Eberle AG mit Hilfe einer Multi-Rotationsbürstmaschine von Timesavers das Blechteile-Finish pushte.
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Mehr oder weniger still und heimlich hat sich die Schweiz im Bereich Herstellung von Blechteilen zu einem europaweit beachteten Zentrum – um nicht zu sagen zum ›Sheet Metal Valley‹ – entwickelt. Ausgehend von den Veränderungen der Maschinenbau- und Metallindustrien der Schweiz, nämlich weg von der Eigenfertigung und hin zur Vergabe von Produktionsaufträgen nach außen, entstand dort in den vergangenen 25 Jahren eine Blech-Dienstleister-Szene, die vor allem durch kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) geprägt ist. Viele dieser KMUs betätigen sich als Universalisten auf allen Gebieten der Blech-, Rohr- und Profil-Verarbeitung, wogegen sich andere wiederum spezialisiert haben.

Auf das Technologie-Unternehmen Hans Eberle AG, Ennenda (Glarus), treffen beide Attribute zu, denn im Ursprung betätigte sich der im Jahr 1953 gegründete Familienbetrieb als Metalldrückerei. Heute zählt das Unternehmen aus dem Glarnerland zu den führenden Herstellern von Blechteilen aller Schwierigkeitsgrade und verfügt als ›Universal-Generalist‹ über alle technisch relevanten Disziplinen und Verfahren.

Qualitätsbewusstsein als ›Roter Faden‹,

Das Kompetenzangebot beginnt bei der Beratung und setzt sich über 3-D-Konstruktion, Teilefertigung, mechanisches Oberflächen-Finish und Oberflächenveredelung, zum Beispiel durch Pulverbeschichten, bis zur Baugruppenmontage fort. Zur rationell-qualitativen Bearbeitung der Bleche in Dicken von 0,15 bis 35 mm und in allen Qualitäten setzt das mittlerweile über 100-köpfige Eberle-Team auf einen modernen Park an CNC-Stanz- und -Laserschneidmaschinen sowie an Abkant- und Biegepressen, Stanzanlagen, Punktschweiß- und Schweißrobotersystemen.

Zum erweiterten Maschinenpark gehören diverse Peripheriesysteme wie ein Hochregallager für Bleche, aus dem gleich mehrere Blechbearbeitungsmaschinen direkt versorgt werden können.

Arbeitserleichterung aus Prinzip

Auf der anderen Seite der strikt auf Qualität und Produktivität getrimmten Prozesskette für die Blechteile-Produktion finden sich dann unter anderem Maschinen zum Entgraten, Verrunden und Finishen von Zuschnitten wie von Fertigteilen. Dazu sagte Dipl.-Ing. Andreas Zweifel, Geschäftsführer und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Hans Eberle AG: »Da wir für den gewollt hohen Wertschöpfungsanteil so gut wie alles Inhouse fertigen, legen wir überall sehr hohe Produktivitäts- und Qualitätsmaßstäbe an. Wann immer sinnvoll und wirtschaftlich darstellbar, werden die Prozesse und Abläufe deshalb automatisiert, und das gilt vor allem auch für solche Verrichtungen, welche die Mitarbeitenden höher beanspruchen.«

Deren Wohl liegt Andreas Zweifel besonders am Herzen: »Um einerseits die aufwendige und körperlich anstrengende Entgrat- und Schleifbearbeitung zu humanisieren und andererseits das mechanische Blechteilefinish durch Entgraten und Verrunden in reproduzierbarer Qualität sicherstellen zu können, haben wir schon vor Jahren in Nass- und Trocken-Blechschleiftechnik investiert. Allerdings hat sich unser Blechteile- und noch mehr das Materialspektrum erheblich verändert, weshalb wir nun anstatt früher um die 400 Tonnen Stahlblech heute über 200 Tonnen an Chromnickel-/Edelstahl- und Aluminium-Blechen verarbeiten.

Und so stieß die bisher eingesetzte Technik an ihre Grenzen, erklärt Andreas Zweifel: »Als wir nun immer mehr Aufträge im Bereich Medizintechnik bekamen, wo die Blechteile durch hohe Anforderungen an die Oberfläche gekennzeichnet sind, stellte sich das Entgraten und speziell das Verrunden in Band-Diskus-Nassschleiftechnik eher als ungeeignet dar; zumal wir die Teile ja auch reinigen und trocknen und zum Teil konservieren mussten und müssen. Vor allem aber war der Kantenbruch durch das Band-Diskus-Schleifen unbefriedigend, so dass wir die Teile oft manuell nacharbeiten mussten.«

Andreas Zweifel und seine Mitarbeiter zogen Konsequenzen: »Diese Umstände führten dazu, dass wir uns für weg vom Band-Diskus-Nassschleifen und hin zum Trocken-Band-Rotationsbürst-Entgratschleifen orientierten und uns auf die Suche nach geeigneten Lieferanten begaben.«


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