28. AUGUST 2016

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»Wir agieren wie ein europäisches Unternehmen«


Interview/Manfred Stern

Als eines der ersten japanischen Unternehmen engagierte sich Yaskawa in Europa – und richtete sich auf die hiesige Unternehmenskultur ein, unter anderem durch Produktionsstätten in Europa. Manfred Stern, COO der Yaskawa Europe GmbH, gibt Auskunft über diesen Anpassungsprozess und einen Überblick über die verschiedenen europäischen Märkte.
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Wie sehen Sie die Rolle von Yaskawa als japanisches Unternehmen in Europa?

Wie Sie schon sagen: Yaskawa ist ein traditionelles japanisches Unternehmen. Während aber viele andere japanische Traditionsunternehmen ihren Fokus sehr lange nur auf dem japanischen Markt hatten, hat Yaskawa schon vor 25 Jahren erkannt, dass es auch außerhalb des eigenen Landes interessante Märkte gibt, sowohl in Europa als auch in Amerika. Heute generiert Yaskawa noch etwa die Hälfte des Umsatzes im heimischen Markt mit dem klaren Ziel, die Exportmärkte zu erweitern. Europa, Naher Osten und Afrika machen derzeit etwa 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das ist noch ausbaubar.

Wie lange ist Yaskawa schon in Europa tätig?

Die ersten Sondierungen entstanden Ende der 60er-Jahre. Die ersten nennenswerten Umsätze aber erst Ende der 70er, Anfang der 80er. Damals haben wir verstärkt mit lokalen Systemintegratoren zusammengearbeitet. In den 90er-Jahren gab es dann auch Kooperationen in Sachen Antriebstechnik mit großen Endkunden.

Wenn wir von Yaskawa sprechen, sprechen wir im wesentlichen von zwei großen Produktlinien: Die eine ist die Robotik, verknüpft mit Motoman als bekannte Produktmarke; die andere Produktlinie läuft unter Antriebstechnik, also Servoantriebe, Inverter/Frequenzumrichter und Steuerungstechnik. Zunächst waren diese Bereiche auch rechtlich getrennt, bis wir uns 2010 entschlossen, sie zusammenzulegen, um dem Markt zu signalisieren, dass wir als Yaskawa global und einheitlich agieren.

Hätte man nicht schon früher gemeinsam schlagkräftiger auftreten können?

Das waren historisch unterschiedliche Zielmärkte. Robotik, das waren im wesentlichen Schweißroboter in einer Zelle, und die mussten schweißen können. Die Antriebstechnik ist irgendwo in einer Maschine oder Anlage gelandet, in einem Aufzug, wo auch immer. Durch die fortschreitende Automatisierung und mit der Ausweitung des Produktportfolios in der Robotik, etwa durch Handhabungsroboter, wachsen diese beiden Bereiche jetzt aber immer mehr zusammen und wir treffen immer häufiger auf die gleichen Kunden.

Warum haben japanische Unternehmen relativ spät auf andere Märkte geschielt?

Das liegt zum einen an der japanischen Denkweise, die von jahrhundertelanger Tradition geprägt ist, zum anderen daran, dass der japanische Markt für die dortigen Unternehmen in den 70er-Jahren noch riesig war und enorm schnell wuchs. Auch später hat man den globalen Markt nicht als Ganzes bearbeitet, sondern versucht, große OEMs als Partner zu gewinnen und mit Produkten zu beliefern.

So haben wir in Europa jährlich indirekt mehrere Hundertausend Servos und Umrichter verkauft, ohne auf dem Markt als Akteur sichtbar zu werden.

Auf der Roboterseite haben wir mit Systemintegratoren zusammengearbeitet, kleinere und mittlere Unternehmen, die Schweißzellen gebaut haben. In den 80er- und 90er-Jahren sind wir dazu übergegangen, System- und Vertriebspartner peu à peu zu akquirieren.

Wann und wie entstand die Idee, im Ausland, also beispielsweise hier in Deutschland, zu produzieren?

Ich bin seit 2008 bei Yaskawa, und es war schnell klar, dass wir mehr als Vertrieb sein müssen, wenn wir unsere ehrgeizigen Ambitionen umsetzen wollen. Dass wir den Kunden zeigen müssen: Wir sind ein europäischer Partner, der hilft, ein Problem kurzfristig zu lösen, sodass wir also als Partner für unsere Kunden auftreten. Wir haben hier in Deutschland derzeit rund 100 Ingenieure, die sich um die Kundenwünsche kümmern können.

Aus europäischer Sicht stellt sich ein japanisches Unternehmen so dar: sehr hohe Qualität zu einem günstigen Preis, riesige Stückzahlen, große Entfernung zum Kunden, Individualisierung nur wieder mit hohen Stückzahlen.

Wer in Europa erfolgreich sein will, muss anders auftreten, denn nur wenige Kunden können Zehntausende Antriebe oder Hunderte Roboter abnehmen. Europa ist großteils mittelständisch strukturiert. Für uns ist auch ein Kunde, der 100 Antriebe abnimmt, ein wichtiger Partner, und deshalb haben wir entschieden: Wir müssen so agieren wie ein originär europäisches Unternehmen. Wir müssen den Kunden verstehen, wir müssen Applikationsingenieure haben, um ihn zu unterstützen und optimierte Lösungen zu finden. Wir müssen hier kritische Teile fertigen, weil die Lieferkette von Japan nach Europa recht lange ist, folglich lange dauert. Und man muss in der Lage sein, Produkte für den Kunden anzupassen. Wir brauchen also das Engineering und die Produktion hier in Europa.

Wir haben mit der Produktion von Antriebstechnik in Europa, in Schottland, schon vor über zehn Jahren begonnen und fertigen auch Robotersteuerungen schon seit Jahren in Schweden. Die Roboter beziehen wir nach wie vor aus Japan und ›verheiraten‹ sie hier mit einem Controller. Im Schweißbereich arbeiten wir auch als Systemintegrator, beispielsweise für OEMs oder Tier1s, die von uns eine Schweißzelle oder -linie brauchen. Dann machen wir die gesamte Integration hier in Allershausen oder – für Standardsysteme – in Slowenien.


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Ausgabe:
bbr 06/2013
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