11. DEZEMBER 2016

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Druck auf die Hydraulik


Servopressentechnik »Warum haben Sie sich nicht schon früher an diese Technik gewagt?« Schulers neue mechanische Servopressen in Monoblock­bauweise legen diese Frage nahe. Hier Details zur Premiere bei Schuler.

Zusammen mit rund 220 geladenen Kunden und Geschäftspartnern feierte Schuler die Premiere einer neuen Pressengeneration - mechanische Stanz- und Umformautomaten mit Servotechnik. Die mechanischen Stanz- und Umformautomaten mit 2.500 bis 6.300 KN Presskraft werden servo- oder torquemotorisch angetrieben, mit direkter Verbindung von Motor und Exzenterrad. In puncto Flexibilität setzt dieses Antriebssystem, laut Schuler, Maßstäbe bei den mechanischen Pressen.

Warum so zögerlich?
Technikbegeistert und stolz auf das Erreichte zeigten sich der neue Schuler-Vorstandsvorsitzende Jürgen Tonn sowie Joachim Beyer, Mitglied des Vorstandes und verantwortlich für den Geschäftsbereich Forming Systems, der zudem weltweit die Serviceaktivitäten des Konzerns koordiniert. »Wir sprechen mit unseren Servopressen Kunden, wie Automotive-Zulieferer sowie aus dem Non-Automotive-Sektor, an«, so Tonn in seiner Begrüßungsrede. Joachim Beyer spricht den Servopressen aus dem Hause Schuler in Sachen Flexibilität, im Segment von 250 bis 630 Tonnen, gar die Technologieführerschaft zu: »Es gibt derzeit keine universellere Presse als die Schuler-Servopresse.« In der Tat ist die Schulertechnik ein großer Schritt, so lassen sich mit ihr Stößelhub und Stößelkinematik in einer für mechanische Pressen einzigartigen Zeit-Weg-Parametrierung realisieren. Ein Beispiel: Auf dem Werkzeug der Firma Dancke aus Böhmenkirch (www.dancke.de) ließen sich auf der neuen 250-Tonnen-Servopresse mit Torquemotor (Pendelhubbetrieb möglich) 40 Gasgeneratorengehäuse statt bisher 25 Stück herstellen. Dies gelang auf dem identischen Werkzeug allein durch die neuen Möglichkeiten, die die Zeit-Weg-Steuerung der Schuler-Servopressen bietet.

Stromfresser?
Konnte also auf herkömmlichen mechanischen Presse ein Bauteil in 2,4 Sekunden gefertigt werden, schafft es die Servopresse in nur 1,5 Sekunden.Warum man diese hochflexible Pressentechnik nicht bereits früher forciert hat, erklärt Vorstand Joachim Beyer folgendermaßen: »Servomotoren und Leistungselektronik waren bisher nicht in Großserienqualität und zu wettbewerbsfähigen Preisen lieferbar.« Speziell Motoren mit großer Leistung aber gelten als »Stromfresser«. Schuler tritt dem Vorwurf wirkungsvoll entgegen, indem der Konzern das Schuler-Energiemanagement in seinen Servopressen einsetzt. So wird beispielsweise einer von drei Siemens-1PL6-228D-Servomotoren am Energiespeicher angeschlossen. Wird mit den Hauptmotoren generatorisch gebremst, puffert der Energiespeicher die Bremsenergie, um sie bei Bedarf wieder zur Verfügung zu stellen. Dadurch werden bei 2 x 175 KW = 350KW Motorleistung (der Antriebsmotoren) laut Schuler nur 50 KW Netzeinspeisung benötigt. Somit bewegt sich der Energieverbrauch auf dem Niveau herkömmlicher mechanischer Pressen.

Adieu Großpressen?
Schuler wird gern leidenschaftlich und zuerst mit dem Großpressenbau in Verbindung gebracht. »Dass wir rund 27 Prozent mit OEMs, 36 Prozent im Bereich der Automobilzulieferer und 37 Prozent des Umsatzes im Non-Automotive-Bereich erwirtschaften, ist den meisten gar nicht bewusst. Trotz des stark nachlassenden Großpressengeschäftes hat die Schulergruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr fast identische Umsätze wie im Vorjahr erzielen können. Das zeigt, dass wir mit unserer breiten Aufstellung diese Entwicklung voll abfedern konnten und darauf sind wir stolz. Dass wir in vielen Nischen präsent sind, ist vielen gar nicht bekannt«, so Vorstandsvorsitzender Jürgen Tonn. Das Großpressengeschäft wird man bei Schuler natürlich weiter aktiv begleiten. Es ist jedoch nur ein Standbein des Konzerns.

Ausbaufähig
Die neuen Servopressen können laut Joachim Beyer bereits heute mit bis zu 25.000 KN Presskraft angeboten werden. Sie verfügen über alle Steuermöglichkeiten, wie das feinfühlige Fahren mittels Handpotenziometer (für den Tryout-Betrieb), Anfahren bei jeder beliebigen Stößelstellung mit voller Kraft - hier kommt die von Beyer angesprochene »einzigartige Dynamik der Schulerpressen im Servopressenbereich« zum Tragen - und die einzigartige Zeit-Weg-­Steuerbarkeit. »Dass sich der Einsatz der neuen Servopressen nicht aufs Umformen beschränken muss, sondern sich Potenziale beim Schneiden hoch- und höchstfester Stahlgüten auftun, dass die Tryout-Fähigkeiten der Servopressen den Werkzeugbauern ein fantastisches Werkzeug an die Hand geben«, all das lässt Joachim Beyer nicht unerwähnt. Auch die Lieferzeit von nur noch 6 Monaten - ermöglicht durch die Optimierung der Fertigungsorganisation und der konsequenten Modularisierung der Bauteile dieser Monoblockpressen - ist ein weiterer Pluspunkt, den Schuler für sich verbuchen darf. Die gezeigten Stanz- und Umformautomaten mit 2.500, 4.000 sowie 6.300 KN Presskraft sind nur der Anfang einer konsequenten »Servomotorisierung« bei Schuler. Schon stehen die Vertreter der 8.000- bis 25.000-KN-Klasse in den Startlöchern. Die Zukunft gehört der Servotechnik - der Druck auf die Hydraulikpressen steigt.

Ausgabe:
bbr 01/2007
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