30. JULI 2016

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Grüne Lügen


»Die Werbung im Fern­sehen unterscheidet sich fundamental von der in Fachzeitschriften.«

Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an Tullius Destructivus, den fiesen Consultanten des Kriegsverbrechers und Massenmörders Gaius Iulius ›Umhauer‹. Tullius’ bloße Anwesenheit ließ Streit ausbrechen, seine Umgebung (einschließlich der Sprechblasen) färbte sich giftgrün. Sogar die dicken (pardon: stattlichen) Freunde Asterix und Obelix gerieten aneinander, wie in Band XV (La Zizanie = Streit um Asterix) dokumentiert ist.

Wer jetzt eine Überleitung vom Alten zum neuen Rom erwartet, wird enttäuscht sein, obwohl auch dort Giftzwerge den Völkerhass zu schüren versuchen, indem sie die Deutschen von heute mit den braunen und eisengrauen Horden der frühen 40er-Jahre gleichzusetzen versuchen. Man stelle sich vor, die Hetze würde in umgekehrter Richtung laufen: Drei Monate bis fünf Jahre Knast wären möglicherweise fällig. Schlimmer noch: Statt sich über die Scherzbolderei zu amüsieren wie im Falle der beiden italienischen ›Staatsmänner‹, würde sich die internationale Presse wie Krokodile auf die betreffenden deutschen Politiker stürzen – zu Recht.

Grün wie Krokodile sind auch die ›Monster‹, die laut Reklame für einen ›Schleimlöser‹ Heiserkeit und Husten verursachen, in Wirklichkeit aber jeden Menschen, der noch einigermaßen bei Trost ist, den ganzen Winter lang an den Rand des Wahnsinns trieben. Auch wenn sich die Vorabendwerbung der Öffentlich-Rechtlichen sich auf die Zielruppe Ü 90 zu konzentrieren scheint, die ich noch knapp verfehle: Ich würde lieber ersticken, als jemandem Geld zu geben, der mich für hirntot hält. O. k., ich habe leicht reden, bin ich doch seit 40 Jahren praktisch hustenfrei.

Für bescheuert scheint auch ein großes deutsches Transportunternehmen seine Kunden zu halten: Es hat entdeckt, dass der Anteil der Wasserkraft in seinem Energiemix höher ist als der der Fernreisenden mit Rabatt-Karte, und suggeriert nun auffallend auffällig und allzu dick aufgetragen diesen Kunden, sie würden jetzt mit Ökostrom reisen – seit dem 1. April bezeichnenderweise. Dass die übrigen Reisenden dafür mit umso mehr Drecksstrom aus Kohle- und Atomkraftwerken oder nach wie vor noch dreckigerem und elend lautem Dieselantrieb unterwegs sind, verschweigt die Reklame geflissentlich.

Es ist das gleiche Täuschungsmanöver, mit dem uns die etablierten Energieversorger ihren uralten Wasserkraftanteil als neuen Ökostrom unterjubeln wollen. Aber nur wenn Atom- und Kohlekraftwerke abgeschaltet und durch mehr Wind-, Sonnen-, Erdwärme- und Gezeitenenergie ersetzt werden, wendet sich etwas zum Besseren, nicht durch Buchhaltertricks. Mal sehen, wie lange es dauert, bis der Anteil regenerierbarer Energie jenes Verkehrsunternehmens (wie doppeldeutig doch diese Bezeichnung werden kann!) von derzeit 24 Prozent auf sagenwirmal deren 30 steigt. Wenn’s nicht klappt, ist wohl wieder der geizige deutsche Verbraucher schuld, der schon diverse Lebensmittelskandale verursacht und etliche arglose Kriminelle zwischen Constanza und Rotterdam hinterrücks in Versuchung gezwungen hat.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es gibt auch ehrliche Werbung, selbst wenn Grün darin vorkommt. Wenn Sie – wie immer – die bbr aufmerksam durchblättern, werden Sie schnell merken, was ich meine.

Und jetzt zu etwas ganz anderem, leider sehr Ernstem: Anfang des Jahres hatte unser geschätzter Kollege und befreundeter Konkurrent Günter Kögel, Chefredakteur des Wettbewerbsmagazins ›Blech‹, einen schweren Schi-Unfall, dessen Folgen ihn noch einige Zeit vom Schreibtisch fernhalten werden. Nur eine erstklassige Schutzausrüstung (Helm und Protektoren) hat noch schlimmere Verletzungen verhindert. Wir wünschen Günter Kögel auch von hier aus weitere und schnelle Fortschritte auf dem Wege der Besserung.

Hans-Georg Schätzl
h.schaetzl@verlag-henrich.de

Datum:
03.05.2013
Unternehmen:
Bilder:

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