24. SEPTEMBER 2016

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Mit Sicherheit guter Käse!


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Oft als Bürokratenwillkür verschrien, sorgen viele der neuen EU-Normen und -Verordungen für eine frühere Modernisierung von Anlagen und damit für effizientere und sicherere Prozesse.

Almwiese, Sennhütte und Kühe sind Bilder, die spontan vor dem geistigen Auge entstehen, denkt man an die Produktion qualitativ hochwertigen Käses. Mag dieses Bild vereinzelt noch stimmen, so ist die Käseproduktion heute doch weitestgehend automatisiert. Damit die Qualität des produzierten Käses jedoch auch im industriellen Herstellungsverfahren gewährleistet ist, müssen Maschinen und Anlagen stets auf dem aktuellen Stand der Technik und auch der Sicherheit sein. Ein individuell angepasstes Sicherheitskonzept im Rahmen des Retrofit sorgt hier dafür, dass nicht nur die Prozesse effizienter und sicherer sind, sondern letztendlich immer gleichbleibend hochwertiger Käse produziert wird.

Das Allgäu: Tradition und Moderne

Das 1892 gegründete Unternehmen Edelweiss stellt am Stammsitz Kempten mit 450 Mitarbeitern so bekannte Käseprodukte wie Milkana, Bresso oder Edelweiss her. Seit 2003 zählt das Allgäuer Unternehmen zur französischen Bongrain-Gruppe. Weil Edelweiss Prozesse und Produktqualität gleichermaßen optimieren will, beschloss man Mitte 2008, die Mischanlagen zur Herstellung von Schmelzkäse grundlegend zu modernisieren. Diese waren bereits mehr als 15 Jahre im Einsatz, prozess- und sicherheitstechnisch entsprachen sie in Teilen nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Zwar gab es keine eklatanten Sicherheitsmängel, doch war klar, dass einige potenzielle Gefährdungsbereiche einer Überprüfung nach EN ISO 13849 nicht standhalten würden. »Unser Ziel war, die Prozesse so zu verbessern, dass wir gegenüber unseren Kunden eine gleichbleibend hohe Produktqualität gewährleisten können. Dass damit auch ein neues Sicherheitskonzept fällig war, stand außer Frage«, sagt Werner Holderried, Projektingenieur bei Edelweiss.

Ein feiner Hauch von Käse liegt in der auf 20 Grad klimatisierten Luft der Fabrikationshalle. Ein Mitarbeiter schiebt den Edelstahlcontainer mit jenen Zutaten, aus denen einmal Schmelzkäse werden soll, durch ein Lichtgitter an den dafür vorgesehenen Platz neben der rund vier Meter hohen Mischeranlage. Nachdem er den potenziellen Gefährdungsbereich verlassen und per Bedienmonitor die Freigabe erteilt hat, transportiert eine Hubvorrichtung den Behälter in die Höhe und kippt den Inhalt in den geöffneten Mischbehälter.

Prozessoptimierung erfordert neues Sicherheitskonzept

Über eine absenk- und begehbare Bedienerbühne mit Sicherungsgeländer überprüft der Käsereimitarbeiter, ob der komplette Containerinhalt in den Mischer gelangt ist. Falls erforderlich, hilft er mit einem Schieber nach. Ein Druckluftzylinder schließt die Mischertrommel, der Transportcontainer fährt nach unten und die begehbare Brücke klappt nach oben. Nun starten die beiden seitlich angebrachten Motoren mit dem Mischvorgang und stellen die gewünschte Käsemasse her.

Sämtliche Leistungen aus einer Hand

Wenn, wie bei Edelweiss, in Unternehmen die Modernisierung oder der Ausbau bestehender Anlagen ansteht, steht stets auch die Maschinensicherheit auf dem Prüfstand. Sind die Maschinen bereits älteren Datums und die geplanten Veränderungen wesentlich, zieht dies gemäß Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ein CE-Konformitätsverfahren nach sich.

Unternehmen stehen im Rahmen von Retrofit-Maßnahmen vor der Frage, was eine wesentliche Änderung ist, wie das Gefährdungspotenzial einer Maschine beurteilt werden und wie mit Normen und Richtlinien umgegangen werden muss. Fragen, die Unternehmen in der Regel nicht selbst beantworten können.

Bei Edelweiss setzte man deshalb frühzeitig auf einen kompetenten externen Partner. »Wir kennen Pilz als Spezialist für Sicherheit mit fundiertem Know-how in der Automatisierungsbranche. Darüber hinaus setzt sich das Unternehmen seit Langem mit der neuen Maschinenrichtlinie und deren Normen auseinander und bietet hierzu entsprechende Dienstleistungen an. Pilz war für diese Aufgabe einfach der richtige Partner«, betont Werner Holderried.

Bei Um-, Ausbau oder bei der Modernisierung bestehender Anlagen bietet der Automatisierungsexperte Pilz aus Ostfildern neben integrierten Sicherheits-, Steuerungslösungen und der erforderlichen Hard- und Software ein komplettes Dienstleistungs- und Lösungspaket von der Risikoanalyse bis zur CE-Kennzeichnung und Konformitätserklärung. Die Leistungen sind modular aufgebaut und können einzeln oder gesamt beauftragt werden. Mit der Ausstellung der CE-Konformitätserklärung übernimmt Pilz am Ende die Gesamtverantwortung für die Sicherheit der Maschine.

Risikoanalyse schafft die Grundlagen

Am Anfang steht immer die zuverlässige und transparente Risikobeurteilung: »Gemeinsam mit unseren Kunden identifizieren wir zunächst die potenziellen Gefahrenstellen und schätzen die Risiken ein. Wir diskutieren, wie wir durch ›intelligente‹ Technik und effiziente Sicherungsmaßnahmen Abhilfe schaffen können, entwickeln Maßnahmen und beraten bei der Auswahl der technischen Produkte«, fasst Harald Elsässer, im Customer Support von Pilz verantwortlich für den CE-Zertifizierungsprozess bei Edelweiss, das Vorgehen zusammen.

Tatsächlich sind das Risikobeurteilungsverfahren und der Entwurf eines entsprechenden Sicherheitskonzeptes inklusive der Bestimmung von Performance-Levels für einzelne Gefährdungen und die Verifikation nach EN 13849 mit Hilfe des Safety-Calculator Pascal von Pilz ein durchaus komplexer Prozess. Bei Edelweiss führte man die Risikoanalyse zunächst als Pilotprojekt beispielhaft an einer Anlage durch und übertrug das Konzept dann auf weitere Anlagen.

Vor dem Umbau sicherten ein Zaun sowie eine Schranke den Hubbereich für den Container nicht hundertprozentig vor möglichen Gefahren. Die Risikoanalyse identifizierte auch die geöffnete Schüttung, die Auslassvorrichtung sowie den Trittsteg als Bereiche mit Handlungsbedarf. Heute sorgen ein etwa zwei Meter hoher Schutzzaun sowie ein Lichtgitter PSEN-opt für Sicherheit rund um die Hubeinrichtung. Vibrationsunempfindliche und gegenüber Reinigungsflüssigkeiten berührungslose, codierte Sicherheitsschalter PSENcode überwachen die korrekte Position des Trittsteges, die richtige Stellung der Schüttklappen sowie des Auslasses und des Abflussrohrs. Verletzungsgefahren sind damit weitestgehend ausgeschlossen.

Käseproduktion sicher überwacht

Sämtliche sicherheitsrelevanten Funktionen, zu denen auch die an der Maschine und am Display angebrachten Not-Halt-Taster zählen, überwacht das konfigurierbare Sicherheitsschaltgerät PNOZ-multi Mini. Dieses Pilz-Sicherheitsschaltgerät lässt sich einheitlich und durchgängig mit dem PNOZ-multi-Configurator nutzen.

Das Softwaretool erleichtert Anwendern die Konfiguration der für ihre Applikation benötigten Funktionen. Auf der grafischen Bedienoberfläche stehen Eingangs-, Ausgangs- und Logikelemente entweder als Symbole oder in Auswahlmenüs zur Verfügung. Die benötigten Funktionen an der Maschine und das zu erreichende Sicherheitslevel sind Ausgangspunkt für die Konfiguration der Elemente. Alle Ein- und Ausgänge sind frei wählbar und lassen sich mittels drag and drop durch logische Funktionen verknüpfen. Vordefinierte, abgenommene Funktionsblöcke und Menüs machen es dem Anwender denkbar einfach.

Retrofit für mehr Sicherheit und Effizienz

Weil Sicherheitsfunktionen insbesondere bei Auslegung und Umsetzung ein profundes Fachwissen erfordern, erleichtern zertifizierte Sicherheitsbausteine in Hard- und Software die Abnahme von Maschinen ganz enorm. Da für den PNOZmulti-Configurator keinerlei Programmierkenntnisse erforderlich sind, entsteht kein Schulungsbedarf und damit kein Zeit- und Kostenaufwand.

Bei der Auswahl relevanter Technik setzt Pilz auf langjährige Erfahrung und achtet insbesondere darauf, dass die eingesetzte Hardware die gestellte Aufgabe sicher und effizient erfüllt. Im Falle der Mischeranlagen übernahm der Käsehersteller den Entwurf des Schaltplanes und den Umbau der Anlage selbst. Eingesetzt wurden dabei ausschließlich Sicherheitskomponenten von Pilz. Sicherheitstechnische Prüfungen sowie die Anlagendokumentation sind die letzten Schritte, die die Grundlage für die Ausstellung der CE-Konformitätserklärung bilden. Mit der CE-Zertifizierung übernimmt Pilz auch die rechtliche Verantwortung für die Sicherheit und wird so juristisch zum Hersteller der Maschine.

Mit einem überschaubaren Aufwand an Zeit und Geld sind die Mischeranlagen bei Edelweiss heute prozess- und sicherheitstechnisch wieder auf dem aktuellen Stand. »Es erwies sich als großer Vorteil, dass wir mit Pilz einen Partner hatten, der sämtliche Aspekte kennt, das erforderliche Know-how mitbringt und die entsprechenden Leistungen anbietet. Wir haben die Sicherheit, das Richtige mit dem richtigen Partner getan zu haben«, fasst Werner Holderried das Ergebnis zusammen.
Das im Zuge der Modernisierung der Mischeranlagen bei Edelweiss erstellte neue Sicherheitskonzept sorgt heute für effizientere Prozesse und mehr Sicherheit.
Ergo: sicherlich nicht Almwiese, Sennhütte und Kühe, aber in jedem Fall gleichbleibend hochwertiger Käse.

www.pilz.de


Zahlen & Fakten

Das Unternehmen Pilz ist mit weltweit über 1300 Mitarbeitern international agierender Anbieter sicherer Automatisierungstechnik. Neben dem Stammhaus in Deutschland ist Pilz mit 24 Tochtergesellschaften und Außenstellen auf allen Kontinenten vertreten.

Pilz-Kunden erhalten Lösungen für die sichere Automation und Standardautomation aus einer Hand. Pilz bietet Produkte für die Steuer- und Überwachungstechnik, für die Steuerungstechnik sowie für die Sensorik. Ferner stehen Automatisierungslösungen mit Motion Control zur Verfügung. Visualisierungs- und Diagnosesysteme runden das Leistungsspektrum ab.

Ausgabe:
bbr 01/2011
Unternehmen:
Bilder:

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