25. APRIL 2018

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Die Laserpianisten


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Laserschneiden: Prima Industrie kann dank dem Kauf von Finn-Power nun die große Bandbreite der flexiblen Blechbearbeitung abdecken und steigt weltweit zu den ganz Großen auf.

Der Weg vom feinen und einzigartigen Hersteller von maßgeschneiderten 3D-Laserschneidmaschinen zum global aufgestellten Maschinenbauunternehmen in Sachen Blechbearbeitung hat sich für Prima Industrie aus Collegno, vor den Toren Turins, als ein geradliniger, folgerichtiger Weg erwiesen.

Perfekte Ergänzung

Schon länger war klar, dass Finn-Power zum Verkauf stand und Prima Industrie brachte zur möglichen Ehe einfach die allerbesten Voraussetzungen mit: »Wir, als Spezialisten für 3D- und 2D-Laserschneid- und Schweißmaschinen suchten ein weiteres Standbein, und da wurde für uns Finn-Power sehr interessant, denn es gab im Produktportfolio fast ausschließlich Ergänzendes zu unserem Blechbearbeitungsprogramm«, erzählt Emilio Maio, 3D Product Manager von Prima Industrie im Firmensitz nahe Turin. Dem an der italienischen Börse ›Star‹ gelistete Maschinenbauunternehmen war klar, dass es mit 750 Mitarbeitern eine Größe erreicht hatte, wo es zunehmend galt den Kunden neben dem Lasern auch das Abkanten, Stanzen, Laser-Stanz-Kombinationen, Stanz-Schneid-Kombinationen sowie flexible Bearbeitungssysteme ›im Paket‹ anbieten zu können. »Hier hatten wir ganz klar eine Angebotslücke, die bisher von unseren Konkurrenten gefüllt wurde und sich dann gerne auch im Lasersegment beim Kunden anboten«, weiß Emilio Maio. Mit der Übernahme der finnischen Maschinenbauer, die mit etwa 950 Mitarbeitern sogar etwas größer als Prima Industrie sind, haben die »Gesamtpaketanbieter« nun einen ernsthaften Mitbewerber auf allen oben genannten Gebieten der Blechbearbeitung: »Wir zählen nun zu den großen Drei oder Vier auf der Welt«, sagt Emilio Maio und dies zeigte sich nicht zuletzt auf dem immer vollem Gemeinschafts-Messestand der beiden Unternehmen auf der Euroblech. »Diese Messe hat sich für uns als ein voller Erfolg erwiesen. Mit fünf Finn Power- und drei Prima Industrie-Ausstellungsmaschinen, haben wir unsere neue Bandbreite eindrucksvoll demonstrieren können«, sagt Emilio Maio sehr zufrieden. Und dass die finnische Tochter diese Übernahme ebenso positiv sieht, hat bbr bereits auf der Messe erfahren können, denn durch die ergänzenden Produktportfolios waren die finnischen Arbeitsplätze nie gefährdet, was für eine entspannte Atmosphäre sorgte. »Das ist wie bei Räikkönen und Ferrari in der Formel Eins, Finnen und Italiener können sehr gut gemeinsam arbeiten«, vergleicht Emilio Maio lächelnd.

Von 3D zum Allrounder

Dass Prima Industrie erst vor gut 31 Jahren (1977) auf dem Radar der Blechverarbeiter auftauchte — und zwar als reinrassiger 3D-Lasersondermaschinenbauer — und sich nach 3D erst den Flachbettlasermaschinen widmete, ist ein eher ungewöhnlicher Werdegang. »Durch unsere reiche Erfahrung in der 3D-Laserbearbeitung konnten wir den Kundenwünschen nach 2D-Flachbettlasermaschinen noch besser entgegenkommen«, erinnert sich Emilio Maio. Erfolgsmaschine Nummer Eins ist und bleibt die 1996 entwickelte Platino 2D Laserschneidmaschine: »Mit der Platino ist uns der große Einstieg in den 2D-Sektor gelungen. 1992 hatten wir das Schweizerische Unternehmen Laserwork AG, einen Spezialisten im Sektor 2D-Laserschneidmaschinen, übernommen und dann die Platino entworfen. Und mit dieser Maschine haben wir auch Kunden außerhalb des 3D-Sektors erreicht und uns ein zweites Standbein geschaffen. Wir haben im November 2007 bereits die 1.000ste Platino verkauft und wir haben dieses Ergebnis während der ›Expolaser‹ Messe in Piacenza (Italien) gefeiert. Die Steuerungen aller Prima Industrie Laserschneidmaschinen kommen von der 100Prozent Tochter Prima Electronic und seit 2003 werden vermehrt die Laserquellen (CO2-Laser mit 2,5 bis 5 kW Leistung) eigener Herstellung in die Platinos, Synchronos, Maximos, Dominos, Rapidos, oder Optimos — so die Namen der Laserproduktreihen — eingebaut: »Seit 2001 haben wir uns stärker im US-amerikanischen Markt engagiert und dort den Laserquellenhersteller Convergent übernommen. Seit dieser Zeit bieten wir für unsere Lasermaschinen die Convergent Prima Laserquellen an. Natürlich verbauen wir aber auch weiterhin andere Laserquellen, falls sie für Sonderanwendungen notwendig sein sollten. Übrigens, die genannten Maschinenbaureihen werden immer dann durch den Zusatz ›Evoluzione‹ ergänzt, wenn wieder eine erhebliche Produktpflege erfolgt ist, so wie das im Automobilbau etwa beim Golf I zu Golf II und jetzt Golf VI der Fall ist.

»Klavierspieler«

Auf der Euroblech war übrigens die Optimo-Vivida zu sehen. Sie besteht eigentlich aus zwei Maschinen, einer großen und einer kleinen Maschine (der Laserkopf): »Diese Neuheit kann einen Arbeitsbereich von (X) 4.500 x (Y) 2.500 x (Z) 1.080 Millimetern abdecken — das sind fast 12 m2. Sie ist die perfekte Symbiose aus Schnelligkeit und Größe und kann je nach Teilespektrum bis zu 30 Prozent schneller arbeiten als unsere Standard-Optimo«, freut sich Emilio Maio über diese erfolgreiche Euroblechvorstellung aus seinem Hause. Und Emilio Maio vergleicht etwa die Arbeitsweise dieser Optimo-Vivida und der 2D Flachbettlaserschneidmaschine Synchrono mit der eines Pianisten: »Diese Maschinen bestehen eigentlich aus einer großen (x-; y und z-Achse) sowie einer kleinen (weiteren Achsen im Laserschneidkopf) Maschine. Die ›kleine Maschine‹ kommt zum Einsatz, wie beim Pianisten die Hand, wenn die Tasten nahe beieinander liegen. Die ›große Maschine‹ ist wie der Arm des Pianisten zu verstehen, der nur dann bewegt werden muss, wenn er ein paar Oktaven höher oder tiefer gehen muss. Das bedeutet, dass viel weniger Massen bewegt werden müssen, was einen erheblichen Einfluss auf Dynamik und Schnelligkeit der Maschine hat.« So hat Prima Industrie mit seiner Synchrono und seiner Optimo-Vivida sozusagen auch ›Laserpianisten‹ im Programm, denen bei der Arbeit zuzusehen, zumindest ein Fest fürs Auge ist.
Erik Schäfer


»Zusammenschluss in Sachen Blechbearbeitung«
»Unterwegs zu neuen Horizonten — Gemeinsam.« sind die Worte, die Prima Industrie und Finn-Power seit dem Kauf der finnischen Firma durch die italienische Gruppe (im Februar 2008) inspirieren. Dieses Motto wurde für den gemeinsamen Auftritt auf der Messe Euroblech gewählt. Und die Horizonte der beiden Unternehmen wurden durch den Zusammenschluss erweitert. So umfasst das Produktangebot der neuen Gruppe neben dem 2D- und 3D-Laserschneiden- und Laserschweißen sowie dem Laserbohren nun das Stanzen, die Laser-Stanz-Kombinationen, Stanz-Schneid-Kombinationen, Abkanten sowie flexible Bearbeitungssysteme. Der Zusammenschluss birgt große Vorteile für die Kunden. Zehn Produktionsstätten in Italien, Finnland, den U.S.A. und China, sowie ein starker und großflächiger Vertrieb- und Kundendienst-Support auf den 5 Kontinenten sorgen für einen sicheren Service. Insgesamt knapp 1.700 Beschäftigte bilden die neue italienisch-finnische Unternehmensgruppe, die auf mehr als 30 Jahre Know-how in der Laser- und Blechbearbeitung bauen.

Ausgabe:
bbr 1-2/2009
Unternehmen:
Bilder:

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