20. JANUAR 2018

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Graue Wolken am Wissenschaftshorizont oder Das Duell Hirsch gegen Elefant


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Prof.-Dr.-Ing. Wolfram Volk
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Liebe Leser,

diesmal möchte ich mich zum Jahresende mit einem Thema auseinandersetzen, das uns als universitäre Forschungseinrichtung in den anwendungsnahen Ingenieurwissenschaften aktuell sehr beschäftigt: Die Entscheidung zur Exzellenzstrategie als Nachfolge zu den bisherigen Exzellenzinitiativen für Universitäten steht vor der Tür und in allen Entscheidungsgremien der großen Universitäten herrscht entsprechende Anspannung. Hier geht es nicht nur um das potenzielle Fördervolumen von 10 bis 15 Millionen Euro pro geförderte Universität, sondern vielmehr um das Prestige, sich Exzellenzuniversität nennen zu dürfen.

Allein an der bezogen auf den Gesamthaushalt der Universitäten eher kleinen finanziellen Ausstattung des Programms ist klar, dass andere Aspekte im Vordergrund stehen und die Stärkung des Forschungsstandorts Deutschlands im internationalen Wettbewerb, das eigentlich anvisierte Ziel, eher ideell als materiell erfolgt.

Natürlich ist es nachvollziehbar und verständlich, dass ein internationaler Gutachterkreis sich um die Anträge kümmert und versucht, ein möglichst objektives Ergebnis zu erzielen. Nun fangen aber die Schwierigkeiten an, denn die Anforderungen und Rahmenbedingungen müssen über alle Wissenschaftsbereiche hinweg definiert werden.

Besonders in den anwendungsnahen Ingenieurwissenschaften gibt es ein international sehr unterschiedliches Selbstverständnis. Im angelsächsischen Bereich steht ganz klar die sogenannte wissenschaftliche Reputation im Vordergrund. Vereinfacht gesagt wird als vorrangiges Messinstrument der sogenannte Hirsch-Index („h-Index“) herangezogen. Hierin wird sowohl die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen als auch ihre Beachtung gemessen (n Arbeiten, die mindestens n-mal zitiert wurden).

Ein wichtiger Punkt der anwendungsnahen Ingenieurwissenschaften, die industrielle Bedeutung und Umsetzbarkeit der Forschung, findet hier allerdings keine direkte Berücksichtigung. Dies ist ein Trend, den wir auch neuerdings in vielen Berufungsverfahren für Professoren bei uns feststellen. Die Anzahl der Kollegen mit einschlägiger Industrieerfahrung nimmt in den letzten Jahren ganz klar ab. Zudem werden wir von großen Universitätsinstituten kontinuierlich mit der Kritik konfrontiert, dass wir zu viele Doktoranden haben, die wir angeblich gar nicht betreuen können und daher kleiner werden sollen (›Elefanten‹).

Ich erwidere dann gerne, unsere großen und teuren industrienahen Versuchsanlagen könnten nur effizient betrieben werden, wenn wir interne Arbeitsgruppen mit hinreichender Anzahl unterschiedlicher Projekte haben. Daraus ergibt sich dann zwangsläufig eine Mindestzahl wissenschaftlicher Mitarbeiter, die für eine effektive Forschung mit dem Anspruch der Behandlung anwendungsrelevanter Probleme nötig ist.


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Ausgabe:
bbr 07/2017
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