13. DEZEMBER 2017

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Guter Rat ist günstig


Interview mit Markus Lindörfer

Gute Absichten genügen nicht, wenn man die falsche Richtung einschlägt, statt jemanden zu fragen, der den richtigen Weg kennt. Ein guter Rat ist nämlich nie teuer – im Gegensatz zu Um- und Irrwegen.
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Entgrattechnik und Kantenbearbeitung durchdringen die Fertigungstechnik in der Blechbearbeitung. Zahlreiche Unternehmen haben bereits Investitionen getätigt. Ob es die richtigen Entscheidungen waren, das hat sich bereits gezeigt oder wird sich noch herausstellen. 
Damit Blechbearbeiter künftig sichergehen können, das Geld in die passende Anlagenkonstellation oder das richtige Verfahren zu investieren, haben sie jetzt die Möglichkeit, sich objektiv und zielführend beraten lassen. Markus Lindörfer, Experte in Sachen Blechentgrattechnik mit mehr als 20 Jahre Erfahrung in diesem Geschäft, bietet seine Unterstützung bei der Recherche und bei der Kaufentscheidung für die geeignete Schleif- und Oberflächentechnik an.

In den letzten Jahren ist die Kantenbearbeitung stark in den Fokus der Blechbearbeiter gerückt – warum ist das so?
Zum einen steigen die Qualitätsanforderungen stetig. Während es früher reichte, wenn die Blechkanten entschärft waren, so steht heute auch gerne mal 0,5 mm Radius auf der Zeichnung. Zum anderen war und ist es eine Möglichkeit, sich zu differenzieren. Nur mit Laserschneiden ist heute kaum mehr etwas zu gewinnen.

Sind das Entgraten und die Kantenverrundung ein notwendiges Übel oder ein elementarer und notwendiger Fertigungsschritt in der Blechbearbeitung?
 
Definitiv notwendig! Natürlich wird auch mal über das Ziel hinausgeschossen, wenn auf einer technischen Zeichnung die erwähnten 0,5 mm Radius stehen und eigentlich nur die Verletzungsgefahr am Teil ausgeschlossen werden sollte. Wenn Sie aber eine einheitliche Schichtdicke beim Pulvern oder Nasslackieren erzielen wollen, wenn es darum geht, dass ein Pneumatikschlauch, der übers Blech läuft, sich nicht aufscheuern darf oder ein Laborhandschuh nicht beschädigt werden darf, wenn mit einem medizin-technischen Gerät hantiert wird, oder wenn man einfach nur erreichen möchte, dass die Beschichtung auf dem Blech bleibt und nicht zusammen mit der Laser-Oxidschicht abfällt, zwei Tage nachdem ausgeliefert wurde, dann ist die Oberflächen und Kantenbearbeitung schon sinnvoll.

Welche Verfahren liegen derzeit bei der Kantenbearbeitung besonders im Trend? 
Die geforderte Verrundungsintensität steigt derzeit deutlich an. Viele Kunden erwarten Radien von 1 mm und mehr am Bauteil und zwar an der gesamten Werkstückgeometrie, an Bohrungen ebenso wie an der Außenkante.

Jeder Hersteller schwört auf ein bestimmtes Verfahren. Welche Kriterien sind für den Anwender entscheidend? 
Für die Entscheidung sind vier Merkmale besonders relevant: Erstens: Besteht der Kunde auf einer beidseitigen Bearbeitung und ist er bereit, die damit einhergehenden Limitierungen hinsichtlich Teilegröße und Gleichmäßigkeit in Kauf zu nehmen? Zweitens: Wie intensiv und wie gleichmäßig muss die Verrundung sein – davon leitet sich dann der Einsatz von Tellerbürsten, Schleiflamellenwalzen oder die Kombination von beidem ab. Drittens: Kann die Bearbeitung auf einer trockenen Maschine erfolgen oder muss es eine Nassmaschine sein? Einige Hersteller lassen die Mischbearbeitung von Stahl und Aluminium auf einer Trockenmaschine zu, aber spätestens, wenn die Teile ölig sind, winken sie ab, denn das Öl setzt in Verbindung mit dem Abrieb die Werkzeuge zu. Viertens: Welche Teilegrößen sollen bearbeitet werden? Größere Betriebe haben zum Beispiel oft Gleitschleifanlagen für Kleinteile, während viele kleinere Blechverarbeiter die ›eierlegende Wollmilchsau‹ brauchen.


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Ausgabe:
bbr 06/2017
Unternehmen:
Bilder:
Kuhn
Kuhn

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