22. NOVEMBER 2017

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Ständiger Verbesserungsprozess


Interview mit Gerhard Maier, Unipress

Nicht immer funktionieren die Rezepte der Vergangenheit auch in der Zukunft. Gerade Schweizer Unternehmen sehen sich durch den ungünstigen Wechselkurs seit einigen Jahren vor extrem schwierige Probleme gestellt. Unipress scheint sich gut gewappnet zu haben.

Herr Maier, Ihre Muttergesellschaft, die Otto Suhner AG, ist knapp über 100 Jahre alt. Wie alt ist Unipress?
Unipress wurde 1957 gegründet, ist also 60 Jahre alt. Der Betrieb befand sich allerdings nicht von Anfang an hier im Aargau, sondern in Nidau bei Biel, an der Grenze zum Jura, der zur französischen Schweiz gehört. Dort ist die Uhrenindustrie zu Hause. Wir sind dort aber nicht lange geblieben. Weil wir sehr schnell gewachsen sind und die Räumlichkeiten in Nidau nicht mehr ausreichten, beschloss man Anfang der 70er-Jahre, die Betriebe zusammenzuführen. So hat man das Unternehmen Unipress damals im Suhner-Gebäude mit untergebracht.

Was macht Unipress heute? Uhrzeiger sind ja wohl Geschichte.
Wir stellen Stanzteile aus verschiedenen Materialien her: unterschiedlich beschichteten Stahl, rostbeständigen Stahl, zunehmend Aluminium und Kupferlegierungen. Die Elektromobilität spielt für uns eine große und immer wichtigere Rolle.

Ist die Automobilindustrie Ihr Hauptabnehmer?
Nein. Unsere wichtigste Produktgruppe sind Beschläge. Sie machen fast 45 Prozent unserer 18 Millionen Franken Jahresumsatz aus; die Automobilindustrie kommt auf rund 35 Prozent, und die übrigen 20 bis 25 Prozent entfallen auf technische Konsumgüter.

Macht Ihnen der hohe Frankenkurs immer noch Probleme?
Große Probleme! Wir haben wirklich zu kämpfen. Das kam in zwei Wellen: die erste 2011, als die Weltwirtschaft ohnehin noch im Tal war und wir quasi über Nacht um 20 Prozent teurer wurden, und kaum hatten wir uns 2014 einigermaßen durch Prozessverbesserungen und Rationalisierungsmaßnahmen zurückgekämpft, kam im Januar 2015 nochmal dasselbe. Und das haben wir noch nicht verdaut.

Aber Sie hatten in den letzten 60 Jahren sicher auch andere Hürden zu packen.
Ja, an uns hat sich oft Darwins Gesetz bestätigt: Nicht der Größte oder Stärkste überlebt, sondern der Anpassungsfähigste. Wir waren immer flexibel genug und hoffen, dass wir das auch diesmal sind.

Ist Suhner ein Familienunternehmen? Die zeichnen sich ja in der Regel durch Flexibilität und Nachhaltigkeit aus.
Die Suhner Unternehmensgruppe ist ein klassisches Schweizer Familienunternehmen von KMU-Größe. Die Flexibilität zeigt sich in flachen Hierarchien und den kurzen Entscheidungswegen, außerdem können wir unseren Kunden flexibel Projektunterstützung bei Prototypenherstellung und Umformsimulationen bieten. Nachhaltigkeit heißt: solide Eigenfinanzierung, langfristige Ausrichtung, gegenseitige Unterstützung innerhalb der Unternehmensgruppe und als qualifizierter Ausbildungsbetrieb für die Berufsbildung in verschiedenen Berufen.

Wo sehen Sie Ihre Zukunft?
Wir bieten schon heute nicht mehr nur Stanzteile an, sondern komplexere Produkte, indem wir Folgeoperationen durchführen: Wir schneiden, biegen und ziehen, wir pressen zum Beispiel Muttern oder Bolzen ein, so dass ganze Baugruppen aus dem Werkzeug kommen. Wir müssen eine höhere Produktivität erreichen. Auch die Automation und die Digitalisierung wird eine große Rolle spielen, um teure Handarbeit zu vermeiden. Die Automatisierung ist allgegenwärtig und die Digitalisierung wird in überschaubaren Teilprojekten umgesetzt.

Sie haben einen eigenen Werkzeugbau. Das befähigt Sie ja auch, den Kunden zu beraten; etwa wie man ein Teil günstiger konstruieren kann. Nutzen Sie diese Möglichkeiten und hören die Kunden auf Sie?
Selbstverständlich bieten wir das an, die Kunden erwarten das auch von uns. Anders wären wir gar nicht wettbewerbsfähig. Beispiel: Ein Elektronikspezialist braucht für seine Geräte auch ein Gehäuse, kann aber nicht gleichzeitig Blechschachtelexperte sein. Er hat vielleicht eine Idee, wie das auszusehen hat, aber dann kommen wir ins Spiel und kümmern uns um die Details, um ihm eine technisch sichere und zugleich kostengünstige Lösung auszuarbeiten.Wir legen die Bearbeitungsfolgen im Folgeverbundwerkzeug fest, wir konstruieren die Werkzeuge mit 3D-CAD; folglich können wir mithilfe einer speziellen Software Aufwand und Kosten berechnen. Wir fertigen die Werkzeuge – lediglich härten und beschichten lassen wir außer Haus von Spezialisten – und wir testen schließlich die Werkzeuge. Der Kunde muss sich 100-prozentig auf uns verlassen können. Ihm gehören die Werkzeuge und die produzierten Teile, für die er seinerseits geradestehen muss.
Alle Werkzeuge werden nach Automobilstandard, also nach sehr strengen Vorgaben, geprüft und abgenommen. Die Erfahrung, die wir in der Produktion machen, fließen unmittelbar wieder in die Konstruk-tion neuer Werkzeuge ein, sodass wir einem ständigen Verbesserungsprozess unterliegen. Eine sehr große Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Langzeit-, also das Verschleißverhalten der Werkzeuge. Diese Erfahrungs-Verbesserungs-Schleife ist den Kunden, die ja auch immer besser werden wollen, sehr wichtig und ein Grund dafür, dass wir uns so gut auf dem Markt halten können. Das ist ein Schlüssel für unseren Erfolg.

Wo sehen Sie weitere Vorteile für Ihr Unternehmen?
Wir konzentrieren uns auf komplexe Produkte und Fertigungen. Wir fertigen sehr rationell. Wir steigen sehr früh ein in der Entwicklung. Wir finden dann oft Lösungen für Aufgaben, für die es bis dahin noch keine Lösungen gab. Die Bauteilberatung ist entscheidend.
Wir können auch Prototypen aus dem Originalwerkstoff liefern, mit denen der Kunde testen kann. Wir führen auch selbst Grundlagenversuche durch, etwa wenn es ums Ziehen oder Pressen geht. Der Grat zwischen Geht und Geht-nicht wird bei den modernen, hochfesten Werkstoffen und anforderungsreichen Geometrien immer schmaler. Das ist wie bei einem Rennwagen: ein bisschen zu schnell, und er ist von der Piste; ein bisschen zu langsam, und er gewinnt nicht. Das heißt analog in der Industrie, dass sie zu teuer produziert.

Blechexpo Stand 9201
www.unipress.ch

Ausgabe:
bbr 06/2017
Unternehmen:
Bilder:
Unipress

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