21. NOVEMBER 2017

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Der schwierige Umgang mit Erfolg oder Niederlage


Übrigens ...Prof.Dr.-Ing. Wolfram Volk

Die Wahlen sind nun endlich vorüber, aber anstatt Klarheit haben wir meiner Ansicht nach einen unglaublich aufgescheuchten politischen Hühnerhaufen. Obwohl das Ergebnis gar nicht so weit von den letzten Vorhersagen entfernt war, scheinen viele der Beteiligten bis heute noch nicht zu wissen, was nun tatsächlich die Konsequenz ist. Neu war aus meiner Wahrnehmung, dass bereits mit Verkündigung der Prognose um 18.00 Uhr eiligst Entscheidungen verkündet wurden, die vielleicht etwas an Entschlossenheit verbreiten sollten. Auf mich wirkte das eher wie blinder Aktionismus.

Man findet zu diesem Thema in der Geschichte und bei alten Gelehrten viele Hinweise, die vielleicht auch unsere Politiker beachten sollten. Angeblich von Cicero stammt die Aussage, dass ein guter Politiker einen Bogen um klare (hinterher belegbare) Aussagen machen solle, wenn diese nicht unbedingt notwendig sind. Noch interessanter finde ich in diesem Zusammenhang das japanische Sprichwort: »Wenn Du es eilig hast, geh langsam, und wenn Du es noch eiliger hast, mach einen Umweg!« Der scheinbare Widerspruch, der damit adressiert wird, ist für mich eine ganz wichtige Erkenntnis. Der Mensch neigt bei hektischer Umgebung zum Aktionismus und erzeugt bei den dann häufigen unüberlegten Handlungen teilweise mehr Kollateralschäden als echte Lösungsfindung. Mit dem Sprichwort wird daher in meiner Interpretation angemahnt, dass das Analysieren der Gründe für scheinbar zeitkritische Handlungen wichtiger ist, als blind loszulegen.
Jeder von Ihnen wird genügend Beispiele parat haben, die dies unterstreichen. Viele haben sicherlich schon erlebt, dass die Hektik beim Wochenendeinkauf dazu geführt hat, dass wir viele wirklich wichtige Dinge vergessen und dann mehrmals das gleiche Geschäft aufgesucht haben. Auch im Bereich der Umformtechnik fallen mir hierzu einige Paradebeispiele ein: Während der Werkzeugeinarbeit kommen immer wieder überraschende Ergebnisse an unseren Umformteilen heraus. Anstatt erstmal sauber zu analysieren, warum dies so ist, wird wie wild an den Werkzeugen herumgewurschtelt mit dem Erfolg, dass gar nichts mehr geht. Dann sind wieder die Retter gefragt, die das Kind aus dem Brunnen holen, das gar nicht hätte hineinfallen müssen. Bei Erfolg werden die Macher wie Helden gefeiert, obwohl das Problem mit etwas ›Brandschutz‹ ganz leicht vermeidbar gewesen wäre.

Gut, damit haben wir erstmal hinreichend den Umgang mit den Niederlagen diskutiert. Also zurück zu unserer aktuellen Brücke und den ›Siegern‹! Auch hier ist nicht zum ersten Mal zu erkennen, dass der Erfolg nicht immer mit der notwendigen Dankbarkeit für das Erreichte, sondern dem gierigen Zerteilen der Beute einhergeht. Mich erinnert dieses Possenspiel manchmal an das notorische Glücksspiel. Es gibt sicherlich viele, die auf das ›Groschenroman-Ende‹ mit dem Bankrott des Glücksspielers warten oder sogar hoffen.

Am Ende ist für mich eines klar, dass, egal ob Politik oder Produktionstechnik, wir uns in einem intensiven Änderungsprozess befinden. Das Suchen nach neuen Geschäftsfeldern oder politischen Mehrheiten erfordert viel Kreativität und Veränderungsbereitschaft. Ein kurzfristiger Erfolg ist noch lange kein Garant für langfristige Beständigkeit. Daher bin ich sehr gespannt, was die nächsten Wochen und Monate an neuen Erkenntnissen bringen werden. Es gibt bestimmt eine ganze Krötenkolonie, die noch geschluckt werden muss, bis wir eine neue stabile Landschaft erkennen können.
In diesem Sinne, mit den besten Wünschen und Grüßen in einer sehr spannenden Zeit, 
Ihr
Wolfram Volk 
w.volk@verlag-henrich.de

Ausgabe:
bbr 06/2017
Unternehmen:
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