28. JULI 2016

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Die Industriebastler


Fokus/Schweißnahtüberwachung

Wer in der Automobilindustrie Verantwortung trägt, muss extrem vorsichtig agieren. Deshalb werden neue Lieferanten auf Herz und Nieren geprüft. Wenn ein Unternehmen mit 30 Mitarbeitern innerhalb weniger Jahre mehrere Hundert Qualitätssicherungssysteme an KFZ-Hersteller verkauft, darf das als kleine Sensation gelten.
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Kann das gutgehen? Können zwei so unterschiedliche Menschen miteinander auskommen, gar erfolgreich zusammenarbeiten und gemeinsam ein Hightech-Unternehmen führen? Der eine Mitte 60, verträumter Idealist und Lebenskünstler mit einer gewissen Distanz zum Geld, der andere Mitte 30, klar strukturiert und zielstrebig, auch in finanziellen Dingen. Wie soll das zusammenpassen?

Eckhard Lessmüller, Jahrgang 1952, widerspricht nicht, wenn man ihn als Spät-68er bezeichnet. Nach dem Physikstudium gründete er 1977 mit zwei weiteren Physikern und einem Mathematiker das Kollektiv ›Sponton‹ zwecks Reparatur alter Waschmaschinen. Knochenarbeit, denn Waschmaschinen aus den Fünfzigerjahren waren laut Eckhard Lessmüller Schwermaschinenbau, und die Kunden wohnten meist in bezahlbaren Altbauten ohne Aufzug. Sponton, das hieß Mitbestimmung, das hieß auch: jeder macht alles, im Turnus. Sponton gibt es heute noch, aber ohne Eckhard Lessmüller. Der hatte sich damals, Ende der 70er bis Mitte der 80er, auch noch polit-künstlerisch betätigt: als Schauspieler in der Theatergruppe Hundertfleck und Artist im Theaterzirkus Fliegende Bauten. Ein Theater für sich war manchmal der Auf- und Abbau des Viermastzeltes, für den Lessmüller wegen seiner naturwissenschaftlichen Ausbildung hinreichend qualifiziert erschien; kein theoretischer Physiker halt, sondern ein praktischer, der aus einem kaputten Unimog einen funktionierenden Unimog zaubern konnte. Auch politisch konnten die Künstler kleine Erfolge feiern: So manche überflüssige Straße wurde nicht gebaut, und auch in Gorleben lief manches anders als geplant. Eckhardt Lessmüller ist aber alles andere als ein technikfeindlicher Fundi: Schon früh entwickelte er ein Interesse für den Laserstrahl, bald besaß er ein Patent zur Active-Mode-Stabilisierung.

1990 gründeten Eckhard Lessmüller und Peter Arnold ein Unternehmen zur Verwertung dieses Patents. Zu den Wegbegleitern, Partnern und Förderern der frühen Jahre gehörten William Maxwell ›Bill‹ Steen und Carl F. Baasel. Lessmüller forschte und entwickelte nicht nur für sich und andere, auch in großen Projekten, sondern konnte auch Laser reparieren und so den wirtschaftlichen Rückhalt des Unternehmens sichern. Erstes Serienprodukt des jungen Unternehmens war der Weldcheck, seinerzeit, das heißt seit 1998, das kleinste und billigste Überwachungsgerät für Pulslaser.

1990 war Christian Truckenbrodt, der andere, erst neun. Zehn Jahre später, im Gymnasium, hatte er Peter Arnold jun. als Banknachbarn. Das für das FH-Studium obligatorische Praktikum absolvierte er bei Peter Arnold sen., der sich mit schwierigen Laserschneidaufgaben befasste und einen Lasereinstechmonitor entwickelte. Arnolds ALL Lasertechnik, nur ein paar Häuser von Lessmüller entfernt, beschäftigt sich heute vor allem mit Laserschnitt-Lohnaufträgen, vorzugsweise solchen, die andere nicht lösen können. Von Lessmüller wusste Christian Truckenbrodt allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Bei Arnold entwickelte er ein Gerät zur Simulation eines Laserschneid-Einstechvorgangs zur Prüfung des von ALL entwickelten Einstechmonitors. Im zweiten Praktikum, bei Arcelor in Marseilles, wurde er zum ersten Mal mit dem Thema Kamerasteuerungen konfrontiert.


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Ausgabe:
bbr 05/2015
Unternehmen:
Bilder:
Lessmüller
hgs
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