01. JULI 2016

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Langfristig im Griff


Fokus/CAD-CAM, Simulation

Lang laufende Projekte jederzeit unter Kontrolle zu haben ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, wenn man wie die Pretema GmbH als Automobilzulieferer arbeitet. Ein CAD-System, das Änderungen einfach macht, und eine flexible Datenverwaltungslösung sind die dazu notwendigen Werkzeuge. Pretema nutzt ›PTC Creo‹ und ›Windchill‹, betreut wird das Unternehmen von Inneo.
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Die Mehrzahl der Kunden der Pretema GmbH findet sich im Automotive-Bereich, für den das Unternehmen elektromechanische Präzisionskomponenten fertigt. Es handelt sich überwiegend um Bauteile, in deren Fertigung die Kernkompetenzen des Unternehmens – Stanzen, Galvanotechnik und Kunststofftechnik – eingesetzt werden.

Unter anderem ist Pretema Spezialist für bondbare, also in geometrischer und chemischer Hinsicht besonders hochwertige Oberflächen, auf denen Anschlüsse zu Mikrochips elektrisch verbunden (›gebondet‹) werden können, sowie für hermetisch dichte Anschlüsse. Hier ist beim Stanzen der Kontaktfahnen und beim Umspritzen im Übergangsbereich der Metallteile mit dem Kunststoff hohe Präzision notwendig.

Ein weiterer Kundenkreis sind Smart- und SIM-Karten-Hersteller. Pretema stellt in einer speziellen Laminiertechnik die goldveredelten Kontakte her, über die der in der Karte liegende Chip-Kontakt nach außen aufnimmt. Auch hier ist bei den sehr eng nebeneinanderliegenden Kontakten große Präzision gefragt. Integrierte und nachfolgende Montagetechniken zu den Kernprozessen und ein eigener Formen- und Werkzeugbau ergänzen die Palette der Pretema-Kompetenzen.

CAD-Daten verwalten

Pretema ist ein reiner Entwicklungs- und Systemlieferant für die Kundenanforderungen und fertigt weitestgehend im Kundenauftrag. Gerade in der Automobilindustrie kann die Zeitspanne vom Start eines Projekts bis zur Fertigung einige Jahre betragen. So ist Pretema teils schon in der ersten Entwicklungsphase eines Autos dabei, es kann aber vorkommen, dass die Prototypenteile von einem Mitbewerber gefertigt werden und Pretema zwei Jahre später bei der Serienfertigung wieder den Zuschlag erhält. Es ist also wichtig, schnell zu Angeboten zu kommen und die CAD-Daten eines Produkts, das in Zusammenarbeit und in steten Iterationsschleifen mit dem Kunden entwickelt wird, sauber zu verwalten.

Dazu ist es notwendig, jeden Stand, jede Änderung so zu dokumentieren, dass nicht nur die Änderung selbst, sondern die Beweggründe für die Änderung und deren Ausführung jederzeit nachvollzogen werden können. Das Unternehmen arbeitet seit vielen Jahren mit ›PTC Creo‹, das damals noch unter dem Namen ›Pro/Engineer‹ auf dem Markt war.

Das System ist bei den Automobilherstellern weit verbreitet, was die Zusammenarbeit mit diesen Kunden sehr vereinfacht. »Wir arbeiten sehr oft im Simultaneous Engineering mit unseren Kunden zusammen«, erläutert Dietrich Reimann, Teamleiter der Produktentwicklung bei Pretema. »Da wird immer wieder der aktuelle Stand ausgetauscht, was natürlich mit dem gleichen System auf beiden Seiten weitaus einfacher ist als wenn ein Neutralformat benutzt werden muss.«

Möglichst nachvollziehbar

In der Produktentwicklung werden sechs Creo- und Windchill-Lizenzen eingesetzt, weitere sieben in der Betriebsmittelkonstruktion; die 13 Netzwerklizenzen werden auf insgesamt 40 Arbeitsplätzen genutzt. Weitere 35 Windchill-Lizenzen stehen Anwendern ohne CAD-System zur Verfügung. Ein weiteres CAD-CAM-System übernimmt die CAD-Daten aus Creo für die Konstruktion von Formen und Werkzeugen.

Pretema nutzt zur Verwaltung der CAD-Daten und der Projekte Windchill. Die Verantwortlichen haben sich eine interessante Lösung einfallen lassen, wie die angesprochene Problematik der Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen angegangen werden kann: Die Konstrukteure setzen Screenshots des 3D-Modells, das vom Kunden kommt, in ein PDF-Dokument. Hier werden mit Pfeilen und Anmerkungen alle Zonen beschrieben, die beispielsweise im Spritzguss Probleme bereiten könnten oder wo aus anderen Gründen Handlungsbedarf besteht.

Die Entscheidungen des Kunden und der Konstrukteure zu jedem Stand werden in den Kommentarfeldern des Dokuments in Windchill gespeichert und die Änderungen im Dokument hinterlegt. Da das PDM-System für jeden Stand des Dokuments einen eigenen Eintrag in der Datenbank anlegt, entsteht so eine ausführliche Dokumentation jedes einzelnen Iterationsschritts, seiner Festlegungen und Ergebnisse.

»Wir haben pro Woche zwei bis drei, gelegentlich auch bis zu zehn Neu- oder Änderungsanfragen pro Tag«, verdeutlicht Dietrich Reimann. »Da ist es sehr wichtig, jedes Projekt genau zu dokumentieren. Es erfordert allerdings einige Disziplin von den Anwendern, jede Änderung einzutragen – aber anders geht es nicht.« CAD wird in diesem Prozess genutzt, um das Produkt zu beschreiben, das Office-Datenformat des Dokuments ermöglicht es jedoch auch nicht-CAD-affinen Kollegen, am Entscheidungs- und Entstehungsprozess mitzuwirken.

Auch die Kalkulationsdaten werden in Windchill gespeichert und so jeder Stand dokumentiert. Derzeit wird Windchill 10 getestet. Die bisherigen Erfahrungen sind nach Dietrich Reimanns Worten positiv: »Die Handhabung der neuen Version ist besser, die Oberfläche übersichtlicher – und trotzdem sind mehr Inhalte auf dem Schirm zu sehen.«


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Ausgabe:
bbr 02/2015
Unternehmen:
Bilder:
Pretema; Ralf Steck
Pretema; Ralf Steck
Pretema; Ralf Steck
Pretema; Ralf Steck
Pretema; Ralf Steck
Pretema; Ralf Steck
Pretema; Ralf Steck

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