25. SEPTEMBER 2016

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»Wir bieten jede Menge Mehrwert«


Interview/Daniel Brügger

Mehr noch als Deutschland gilt die Schweiz als Hochlohnland und damit als teuer – ein Problem, wenn man bis zu 90 Prozent der Produktion exportieren muss. Dennoch floriert die Schweizer Industrie. Warum, erklärt Daniel Brügger, der neue CEO von Etampa.
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Was unterscheidet Feinstanzen und ›normales‹ Stanzen?

Wir bieten beide Verfahren an. Beim Feinstanzen, auch Feinschneiden genannt, wird das Blech der Schnittkontur folgend durch einen formal angepassten Halter festgehalten. Dann schneidet der Stempel das Blech – und zwar von unten nach oben. So erreicht man einen praktisch gratfreien, zylindrischen Schnitt über die gesamte Blechdicke. Gleichzeitig können Prägungen vorgenommen werden. Dazu benötigt man eine dreifach wirkende, sehr steife Presse mit sehr hoher Führungsgenauigkeit.

Die Schönheit hat aber auch einen Preis: Bei 140 Hüben pro Minute auf einer 250-Tonnen-Presse ist in der Regel Schluss; normal sind 30 bis 40 min-1, während wir beim Automaten-Stanzen auf 500 Hübe pro Minute oder mehr kommen. Dennoch ist das Feinschneiden mit mehreren Tausend Teilen pro Stunde ein Großserienverfahren.

Wie ist Etampa entstanden? Warum beschäftigen Sie sich mit Feinschneiden?

Hinter den Hügeln im Nordwesten befinden Sie sich schon im französischsprachigen Schweizer Jura, dessen Uhrenindustrie weltberühmt ist – ähnlich wie der Südschwarzwald, der auch nur etwa 80 bis 90 km entfernt ist. Wir sind also eingebettet in eine Industrieregion, die seit Generation von Präzisionsmechanik lebt.

Etampa ist 1946 gegründet worden, um Präzisionswerkzeuge herzustellen – zunächst eine typische Garagenfirma. Um die Werkzeuge erproben zu können, wurde eine Presse gekauft, und bald lag die Frage nahe: Warum nicht auch stanzen und die Teile verkaufen? Zunächst hatte man sich auf Uhrengehäuse spezialisiert, aber die wurden zugunsten anderer Produkte aufgegeben. Etampa konzentrierte sich bald auf die Fertigung mit Folgeverbundwerkzeugen.

Welche Branchen beliefert man heute vor allem?

Unsere Kunden kommen zu einem Großteil aus der Automotive-Industrie, aus der Elektronik und Elektrotechnik, der Bauindustrie und der Sicherheits- und Medizintechnik.

Wie ist man auf das Feinschneiden gekommen?

Unsere Kunden haben von einem Schweizer Unternehmen einfach etwas Besonderes erwartet. Vor allem natürlich die weltbekannte Schweizer Präzision. Mit Standardprodukten waren wir preislich nicht konkurrenzfähig.

Anfangs war das Feinschneiden ein sehr teures Verfahren. Wir haben aber das Glück, dass der Marktführer in Sachen Feinschneidmaschinen, Feintool, nur 20 km entfernt beheimatet ist, was den Austausch und die Entwicklung erleichtert.

Auf der anderen Seite haben wir sehr eng mit unseren Kunden, etwa in der Automobilindustrie, zusammengearbeitet und konnten so viele Teile von der spanenden Fertigung in das ab gewissen Stückzahlen viel kostengünstigere und schnellere Feinschneiden überführen.

So ein Technologiewechsel erfordert aber ein gründliches Umdenken beim Kunden, vor allem bei den Konstrukteuren. Lässt sich das der große Automobilkonzern von der kleinen Etampa gefallen?

Wenn Sie ihm die Kostenvorteile plausibel und glaubwürdig vorrechnen, sofort.
Am Standort Grenchen produzieren wir nicht nur, sondern wir entwickeln hier auch die Prozesse und die Werkzeuge. Für uns ist diese Beratungsqualität überlebenswichtig: Wir haben in der Schweiz hohe Lohnkosten und aktuell einen hohen Wechselkurs des Franken. Also sind wir sowohl im Dollar- wie neuerdings im Euro-Raum sehr teuer. Folglich müssen wir auch viel mehr bieten: Co-Engineering, Lösungen. Das ist unsere Trumpfkarte. Wir haben unseren eigenen Werkzeugbau, wir haben unsere Spezialisten. Wenn wir früh genug in ein Projekt einbezogen werden, können wir es wesentlich mitgestalten. Dadurch kann ein Feinschneidteil aus der Schweiz günstiger sein als eines aus Südamerika.


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bbr 01/2015
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