24. AUGUST 2016

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Kompakter, flexibler, leiser


Fokus/Pressen

Über fünf Jahre ist es her, dass Schuler den Servo-Direkt-Antrieb in den Markt einführte. Die Servo-Direkt-Technologie (SDT) hat sich dank ihrer zahlreichen Vorteile wie etwa höhere Produktivität und Energieeffizienz zu einer Art Standard entwickelt. Nun folgt die Fortsetzung namens Twinservo.

Besonders groß ist die Akzeptanz in der Automobil- und Zulieferindustrie sowie bei den Hausgeräte-Herstellern.

Mit der Twinservo-Technologie (TST) präsentiert Schuler nun die Weiterentwicklung: ein neues Antriebskonzept mit zwei dezentralen Servomotoren im Pressentisch, das eine kompakte Bauweise ermöglicht und die Geräusch-Emission deutlich verringert. Zudem verbessern sich Zugänglichkeit und Steifigkeit im Vergleich zu bisherigen Servopressen.

»Mit der Twinservo wollen wir der Erfolgsgeschichte der Servo-Direkt-Technologie ein weiteres Kapitel hinzufügen«, erklärt Schulers Technik-Vorstand Joachim Beyer. Ende September hatte der Weltmarktführer am Standort Erfurt den Prototypen einer Twinservo-Presse mit einer Presskraft von 16000 Kilonewton vorgestellt. Mit sechs Meter Höhe ist die neue Transferpresse wesentlich niedriger als herkömmliche Modelle. Auch die Aufstellfläche fällt kleiner aus, die Fahrtische können zum Werkzeugwechsel dichter an der Maschine stehen. Der gesamte Flächenbedarf reduziert sich im Vergleich zu einer konventionellen SDT-Presse um etwa 30 Prozent. Die neue Anlage benötigt also weniger Platz im Presswerk und passt auch in niedrige Hallen, und Hallenneubauten können entsprechend kleiner dimensioniert werden.

Hinzu kommt, dass durch die kompakten Abmessungen die gesamte Presse mit einem freistehenden Schallschutz gedämmt werden kann. Da sich die Antriebe im Fundament befinden, ist die Geräuschemission von vornherein niedriger als bei konventioneller Bauweise. Die freistehende Schallschutz-Ummantelung verringert die Prozessgeräusche und die Übertragung von Körperschall noch weiter. Eine Reflexion des Schalls an der Hallendecke ist ausgeschlossen. Großflächige Fenster erlauben eine hervorragende Sicht auf den Umformprozess.

Verbesserte Zugänglichkeit und höhere Steifigkeit

Durch die innovative Bauweise der Twinservo-Presse ohne Seitenständer verbessert sich auch die Zugänglichkeit des Werkzeugraums. Die Stößelbewegung wird von vier Zugstangen übernommen, die die Presskraft auf die Stirnseiten des Stößels einleiten. Dies hat zur Folge, dass im Vergleich zur bislang üblichen Bauart größere außermittige Belastungen zulässig sind. Darüber hinaus kann die maximale Presskraft bis zum Tischrand hin für Umformaufgaben genutzt werden.

Weitere positive Effekte hat auch die um 30 Prozent geringere Auffederung der Twinservo-Presse im Vergleich zu herkömmlichen Maschinen: Der Schnittschlag verringert sich, sowohl die Werkzeuge als auch die Presse werden geschont. Diese Eigenschaft wird zusätzlich durch die größere, dämpfend wirkende Stößelmasse verstärkt. Die Kippsteifigkeit ist in der Durchlaufrichtung etwa doppelt, quer zur Durchlaufrichtung sogar viermal so hoch.

Im Pressentisch der für Erfurt gebauten Maschine arbeiten zwei Torquemotoren mit einer Nennleistung von jeweils 503 Kilowatt, wie sie auch in den Pressen mit Servo-Direkt-Antrieb von Schuler verbaut werden. Die beiden Pressenantriebe sind im Tisch so angeordnet, dass Ziehkissen und Schrottschächte nahezu beliebig im Bereich der Werkzeugaufspannfläche angeordnet werden können. Der Gleichlauf wird über eine elektronische Regelung sichergestellt.

Platzbedarf im Fundament unverändert

Obwohl die Antriebe nun im Fundament sitzen, ist der Platzbedarf dafür nicht größer als bei bestehenden Anlagen. Im Fall des Erfurter Prototypen sind es beispielsweise 5,30 Meter. Auch die Zugänglichkeit für Service-Tätigkeiten ist vergleichbar, teilweise sogar vereinfacht.

Auf der Twinservo-Presse im Umformcenter Erfurt wird Schuler Kleinserien für Kunden aus der Automobil- und Zulieferindustrie produzieren und gemeinsam mit seinen Kunden Werkzeugversuche durchführen.

Die Ausbringungsleistung erreicht bei Vollhub 30 Hübe pro Minute, im Pendelhub-Betrieb 40 Hübe pro Minute. Die bekannten Vorteile der Servo-Direkt-Technologie wie die frei programmierbare Stößelbewegung bleiben erhalten, es sind die gleichen Betriebsarten möglich.

Die 25 Meter lange Anlage wurde komplett mit Automationskomponenten von Schuler ausgerüstet: Bandanlage, Walzenvorschub, Platinenlader, elektronischer Dreiachstransfer und Presse kommen aus einer Hand.

Schuler bietet die Twinservo-Technologie zunächst für Transfer- und Folgeverbundpressen mit einer Presskraft von 10000 bis 35000 Kilonewton an. Die Tischlänge beträgt zwischen 5000 und 8000 Millimeter, die Breite zwischen 2200 und 3000 Millimeter. Die maximale Hubzahl pro Minute reicht von 25 bis 40, im Pendelhub-Betrieb von 30 bis 50.

www.schulergroup.com

Zahlen & Fakten

Der Schuler-Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2011/12 einen Umsatzzuwachs von 27,9 Prozent auf 1,23 Mrd. €. Damit gelang es dem Maschinenbauer, seine Umsatzerlöse innerhalb zwei Jahren fast zu verdoppeln.

Das Ebitda erhöhte sich um 39,5 % auf 118,3 Mio. €. Die Ebitda-Marge, also der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz, legte von 8,8 auf 9,6 % zu. Das Konzernergebnis fiel mit 51,8 Mio. € im Jahresvergleich mehr als doppelt so hoch aus.

In Deutschland erzielte das Unternehmen 394,9 Mio. € – ein Plus von 33,0 %. Binnen Jahresfrist erhöhte sich die Mitarbeiterzahl des Konzerns weltweit um 5,3 % auf 5443 Beschäftigte. Durch eine Eigenkapitalerhöhung im Juni 2011 und den deutlich gesteigerten Konzerngewinn stieg die Eigenkapitalquote von 22,9 auf 27,1 %.

Schuler hat das größte Investitionsprogramm seit zehn Jahren mit über 80 Mio. € für das vergangene und laufende Geschäftsjahr angestoßen. Im laufenden Geschäftsjahr 2012/13 will man bei Umsatz und Ertrag an das gute Vorjahr anknüpfen.www.bbr.de/127190

Ausgabe:
bbr 01/2013
Unternehmen:
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