25. MAI 2016

zurück

kommentieren drucken  

»Kühlschmierstoffe – Nur so viel wie nötig, nicht so viel wie möglich!«


Interview/Kühlen und Schmieren

Dr.-Ing. Dirk Friedrich (Geschäftsführender Hauptgesellschafter der Grindaix GmbH) über künftige Herausforderungen der KSS-Branche und die Chancen, die eine Fachmesse dabei bietet.
Mehrseitiger Artikel:
1 2  

Die Kühlschmierstoff-Branche steht vor wegweisenden Veränderungen: Im richtigen Umgang mit Kühlschmierstoffen, in der fachgerechten Anwendung und Entsorgung liegen enorme Potenziale hinsichtlich Kosten- und Energieeffizienz, Umwelt und Gesundheit. Dr. Ing. Dirk Friedrich von der Grindaix GmbH gibt Antworten auf die Fragen, wo die Branche heute steht, welche Aufgaben auf sie zukommen und wie die neue, fachspezifische KSS-Messe im Juni in Augsburg dabei unterstützen kann.

Kühl- und Schmierstoffe sind doch nur ein notwendiges, meist jedoch lästiges Übel im Produktionsprozess. Oder?

Lassen Sie mich einmal so sagen: Würde man KSS vermeiden können, so wäre dies sicher ein Ziel der produzierenden Unternehmer. Fakt ist jedoch, dass KSS benötigt und daher tatsächlich als notwendiges Mittel zum Zweck angesehen werden. KSS riechen, dampfen, verschmutzen die Produktion, greifen Lacke und Leitungen an. Das macht sie nicht gerade attraktiv. Doch sie sind oftmals geradezu unentbehrlich. Dies gilt vor allem in der Schleiftechnik. Die Produktivität eines Fertigungsbetriebs oder einer Werkzeugmaschine hängt in starkem Maße vom Einsatz der KSS ab. Das ist deren Existenzberechtigung. Somit gilt es, sie möglichst effizient einzusetzen.

Welchen Produktionskostenanteil haben die KSS und ihre Aufbereitung in denverschiedenen Verfahren, etwa Schleifen, Fräsen oder Umformen?

Ganz genau lässt sich das nicht beantworten. Dies variiert – sogar bei gleichen Fertigungsverfahren – sehr stark von Prozess zu Prozess. Konkret kann dies nur durch ein sogenanntes ›Coolant Audit‹ ermittelt werden. Pauschal kann man jedoch Folgendes sagen: Der Anteil aller KSS-bezogenen Kosten beträgt in einem Metall verarbeitenden Unternehmen inklusive der Stromverbrauchskosten aller KSS-Peripherieaggregate jährlich zwischen 50 und 300 Euro je Liter KSS, der pro Minute die Fertigungseinheit durchfließt.

Berücksichtigt man außerdem, dass eine Bearbeitungsmaschine im Schnitt zirka 300 l/min an KSS zuführt, so werden die Kostenpotenziale sehr deutlich. Würde es gelingen, den Bedarf um nur 30 Prozent zu reduzieren, so spart man beispielsweise 10000 Euro an kühlschmierstoffbezogenen Kosten pro Jahr und Maschine. Das ist enorm.

KSS laufen doch meist nebenher – leider oft auch im Wortsinne. Ist da eine eigene Messe für KSS überhaupt notwendig? Oder könnte das Thema auch auf den zahlreichen Technologiemessen, etwa der Emo, der AMB oder der Grindtec, quasi im Nebenzimmer abgehandelt werden?

Die KSS-Thematik hat sich längst zu einem eigenen Technologiefeld entwickelt. Maßgeblich ist dies auf zwei Gründe zurückzuführen: Einerseits auf die immer umfassender werdenden Umweltschutz- und Arbeitsschutzbestimmungen; andererseits auf die in den letzten Jahrzehnten immens gestiegenen Produktivitäts- und Genauigkeitsanforderungen an unsere Fertigungsbetriebe. Eine KSS-Aufbereitungsanlage kann mittlerweile sogar größer sein als die zugehörige Werkzeugmaschine selbst. Aus meiner Sicht ist es daher nötig und richtig, der Fertigungsindustrie eine eigens hierfür konzipierte Messe zu bieten – klein, kompakt, bodenständig und vor allem übersichtlich. Im Gegenteil zur Themenvielfalt der großen Maschinenbaumessen freue ich mich auf eine Fachmesse, die sich gezielt auf alle Informationen und Fragen rund um das Themengebiet KSS konzentriert und fachmännische Antworten liefert.

Welche Aspekte der Kühlmittelbereitstellung und -aufbereitung erscheinen Ihnen besonders wichtig?

Besonders wichtig ist für mich eine effiziente Dimensionierung der KSS-Peripherieaggregate. Die Zukunft in diesem Umfeld heißt: »KSS – nur so viel wie nötig, nicht so viel wie möglich«. Letzteres trifft leider eher den Kern der heutigen KSS-Anwendungen. Beispielsweise gehen 30 Prozent des Energieverbrauchs in produzierenden Unternehmen auf die Anwendung von Pumpen zurück. Warum?

Man dimensioniert sie bezogen auf technische Bedarfsspitzen, und den Rest der Zeit arbeiten sie gegen ein Druckminderungsventil oder gar eine unnötige Drosselung im Leitungsgefüge an. Dabei erwärmt sich der KSS unnötig, und es werden erneut sehr energieintensive KSS-Kühlaggregate eingesetzt, um den KSS zu temperieren. Oder es werden Maschinen mit KSS unterversorgt, so dass diese gar nicht an ihren Leistungsgrenzen arbeiten können. Was durch diese Praxis an Geld verloren wird, konnte bis vor kurzem kaum beziffert werden. Heute geht dies, beispielsweise in ›Coolant Audits‹, sehr gut, und deshalb nimmt das Thema rasant an Bedeutung zu.


Mehrseitiger Artikel:
1 2  

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv

  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Themenvorschau bbr (PDF)

bbr Bänder Bleche Rohre - Themenvorschau

 

bbr Sonderhefte und Supplements