31. MAI 2016

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»Wir wollen Technologieführer bleiben«


Interview/Stefan Klebert

Stefan Klebert ist seit 1. Oktober 2010 Vorstandsvorsitzender der Schuler AG. Damals hatte der Pressenhersteller gerade seinen Tiefpunkt hinter sich. Inzwischen hat sich der Umsatz fast verdoppelt, und die Aussichten sind weiterhin rosig.
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Herr Klebert, Sie kommen gerade aus Erfurt. Was haben Sie dort gemacht?

In Erfurt hatten wir einen großen Event, um eine neue Pressengeneration mit unserer neuen Twinservo-Technologie vorzustellen.

Wie funktioniert der Twinservo-Antrieb, und was bringt er Ihren Kunden?

Das Besondere an der Twinservo-Technologie ist, dass wir die Presse quasi auf den Kopf gestellt haben: Was bisher oben war, der Antriebsstrang, liegt jetzt unten, also im Fundament. Das ermöglicht uns eine ganz neue Bauform, die viele technische Vorteile mit sich bringt: So läuft die Presse deutlich geräuschärmer, die Kippsteifigkeit des Stößels ist höher, die Presskraft ist unter bestimmten Voraussetzungen besser nutzbar, man braucht also für das gleiche Werkstück geringere Tonnagen, und die Maschine ist unter anderem deshalb energieeffizienter als herkömmliche Pressen. Nicht zuletzt ist der Bedarf an Raumhöhe geringer, weil sich der Antrieb im Boden befindet, wo er keinen zusätzlichen Platz braucht; das erspart zudem in manchen Fällen das Öffnen des Hallendaches. Wir erwarten, dass dieses Konzept den Markt revolutionieren wird. Und schließlich: Wir finden, dass auch das Design sehr gelungen ist.

Schuler bekräftigt also seinen Anspruch als Technologieführer.

Nur so kann ein Unternehmen dauerhaft im Hochlohnland Deutschland bestehen – mit Spitzentechnologie. Der ständige Fortschritt, die ständige Weiterentwicklung ist Teil unserer Unternehmenskultur, und die Twinservo-Technologie ist die konsequente Fortsetzung der Servodirekt-Technologie, die wir vor sechs Jahren eingeführt haben.

Der Servoantrieb ist heute Industriestandard. Auch in der Massivumformung bauen wir inzwischen Anlagen mit Servodirekt-Antrieb. Ein großer Vorteil ist, dass ich in jeder Umformphase das maximale Drehmoment nutzen kann. Ich muss auch nicht in jedem Prozess den vollen Hub abfahren, und man kann andere Prozesse wie Schweißen oder Gewindeformen gut integrieren.

Die Twinservo-Technologie zeigt wieder einmal ganz klar, dass Schuler Technologie- und Weltmarktführer ist.

Nach dem krisenbedingten Absturz geht es mit Schuler wieder steil nach oben. Worin sehen Sie die Hauptgründe für Ihren Erfolg?

Der Tiefpunkt war im Sommer 2010 erreicht. Als ich die neue Aufgabe Anfang Oktober 2010 übernahm, begann die Konjunktur sich wieder zu beleben. Aber stellen Sie da bitte keinen kausalen Zusammenhang her! Die Servodirekt-Technologie hat uns sehr geholfen, unsere eigene Konjunktur zu machen. Wir haben den Umsatz innerhalb zwei Jahren fast verdoppelt, und das ist eine Riesenanstrengung für eine Organisation. Dazu braucht man die richtigen Produkte für den Markt, aber auch die richtigen Mitarbeiter – und beides hatte und hat Schuler. Wir haben an allen Standorten tolle Mannschaften mit engagierten Mitarbeitern, ohne die wir nicht an der Spitze des Fortschritts ständen und die technologischen Marken setzen könnten.

Man darf aber nicht nur die Techniker sehen. Die Leistungen im Vertrieb, im Service, in der Verwaltung sind ebenso hoch einzuschätzen. Ohne sie wäre dieses Wachstum nicht zu bewältigen. Nicht zu vergessen ist, dass wir vor etwa eineinhalb Jahren Müller Weingarten und Schuler verschmolzen haben, wodurch wir Synergien nutzen und Doppelfunktionen abschaffen konnten. Zudem haben wir mit der Bildung des CTO-Ressorts auf Vorstandsebene unsere Schlagkraft in Bezug auf Innovation und Technologie noch einmal deutlich verbessert.

Konnten Sie die ›frei‹ werdenden Mitarbeiter dank des Wachstums anderweitig einsetzen?

Ja, das war das Schöne: Weder in Weingarten noch in Göppingen oder an einem anderen Standort mussten wir Leute entlassen. Wir konnten alle Mitarbeiter, teilweise nach Weiterbildungsmaßnahmen, weiter beschäftigen.

Gute und engagierte Mitarbeiter hat man nur, wenn man sie gut behandelt. Was bietet da Schuler speziell?

Schuler zeichnet sich seit jeher durch eine lange Betriebszugehörigkeit aus. Auch hier spielt das Produkt eine wesentliche Rolle – ein Produkt, das die Mitarbeiter begeistert und mitzieht.

Darüber hinaus sind wir ein interessanter Arbeitgeber, weil wir vergleichsweise sichere Arbeitsplätze bieten und einiges für unsere Mitarbeiter tun, etwa für die schon erwähnte Weiterbildung. Aber auch die Ausbildung zu Beginn des Berufslebens ist für uns sehr wichtig; zirka acht Prozent unserer Mitarbeiter sind Auszubildende.

Die Ausbildung ist uns nicht nur in Deutschland ein wichtiges Anliegen. So haben wir das Duale System auch in Mexiko installiert, indem wir direkt neben unser dortiges Werk ein Ausbildungszentrum gebaut haben, wo wir Mexikaner als Facharbeiter in deutschen Facharbeiterberufen ausbilden – nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere Unternehmen.

Wir sind übrigens – das nur nebenbei – letztes Jahr Deutscher und Europa-Meister in ›Mobiler Robotik‹ geworden, und wir haben diesen Titel gerade verteidigt.

Hat Ihr Engagement in Mexiko mit der starken Stellung von VW dort zu tun?

Nein, nicht nur. Wir hatten in Mexiko in den letzten Jahren große Erfolge und sehen dort einen wichtigen Standort für ganz Amerika.


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