30. AUGUST 2016

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Praxislösung für die Stahl- und Alublechbearbeitung


Technik - Schneiden, Trennen

Es muss nicht immer eine Stanz-Laser-Anlage sein: Zur hochflexiblen und wirtschaftlichen Komplettbearbeitung von Fahrzeugbauteilen setzt PWP auf eine Universalmaschine für die integrierte Stanz- und Plasma-Bearbeitung.

Bekanntlich ist die Schweiz nicht gerade typisch für die Automotive-Industrie und deren Zulieferwesen. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich diese Einschätzung als nicht generell zutreffend. Denn in Payerne hat die 1971 gegründete PWP S. A. ihren Sitz, die es in kurzer Frist vom Zulieferer für LKW- und Fahrzeugbaukomponenten zum Marktführer bei LKW-Aufbauten aus Aluminium brachte. Damit setzt PWP eine weniger bekannte schweizerische Tradition fort, nämlich jene, sich schon sehr früh (seit 1935!) dem Leichtbau von Komponenten und Aufbauten für LKWs zu widmen. Da in der Schweiz lange ein Gewichtslimit von 28 t für LKWs galt, nutzte man das vergleichsweise leichte und stabile Aluminium folgerichtig immer stärker sowohl für Komponenten als auch für Ganzalu-Aufbauten, um die Nutzlasten maximieren zu können.

Was einst eher auf den Schweizer Markt zugeschnitten war, ist in Zeiten des Leichtbaus weltweit für Märkte interessant und erklärt nicht zuletzt den internationalen Erfolg von PWP in den Bereichen Nutzfahrzeugbauteile und komplette Bausatzsysteme aus Aluminium. Mit solchen Komponenten, einbaufertigen Teil- oder auch kompletten Aufbau-Systemen wie LKW-Kotflügel aus Alu-Riffelblech, Ladungssicherungssystemen, Unter- oder Überflurkoffern und -behältern, Drehstangen-Türverschlüssen, Spannratschen oder Hecktüren, Schiebetüren und Seitentüren sowie kompletten Aluminium-Kofferaufbau-Sets und Aluminium-Trailer-Kit-Bausätzen zählt PWP heute europaweit zu den führenden Lieferanten für Fahrzeugbau-Unternehmen aller Größen.

Bei PWP sind aktuell 75 Personen damit beschäftigt, aus Standard-Formatblechen, Sandwichpaneels verschiedener Dicken, diversen Aluminiumprofilen und Drehstangenverschlüssen komplette Sets für Aufbauten oder auch individuelle Aufträge von Fahrzeugbaubetrieben zu konfektionieren und/oder zu kommissionieren.

Ein Schlüssel zum Erfolg: Teileverfügbarkeit

Die Aluminiumprofile, Türverschlüsse und weitere Komponenten werden in Eigenregie konstruiert und bei Zulieferern mit eigenen Werkzeugen (für die Spezialprofile) hergestellt. Halbzeuge und montagefertige Bauteile kommen alle nach Payerne und werden dort eingelagert. So sind eine sehr hohe Teileverfügbarkeit und eine sehr hohe Lieferbereitschaft gegeben. Allein an Aluminiumprodukten sind für die Serienfertigung und für Spezialanfertigungen immer rund 400 t auf Lager. An Halbzeugen und Bauteilen aus Edelstahl und Stahlblech sind ebenfalls größere Vorräte auf Lager, um schnell auf Kundenwünsche reagieren zu können.

André Nicolet, Direktor Verwaltung bei PWP, führt dazu aus: »Um die individuellen Wünsche unserer kleinen bis sehr großen Fahrzeugbaukunden auf Termin erfüllen zu können, haben wir nicht nur ein umfangreiches Materiallager, sondern auch einen sehr modernen Maschinenpark zur Verfügung. Dieser ermöglicht es den Mitarbeitern, die Komponenten und Bauteile rationell und in der gewünschten Qualität produzieren und konfektionieren zu können. Die Mitarbeiter sind alle hoch qualifiziert und arbeiten in Eigenverantwortung im Einschichtbetrieb. Damit die Produktion und Logistik effizient ablaufen, stellen wir immer wieder einmal alle Prozesse auf den Prüfstand und stoßen Rationalisierungsprojekte an.«

So auch vor Kurzem geschehen, als der wachsende Auftragsumfang die Produktion immer öfter an die Grenzen brachte und der Aufwand für den Materialfluss und das Material-Handling immer größer wurde. Als logische Konsequenz wurde zum einen in weitere Produktionskapazitäten investiert und zum anderen gleichzeitig das Fabrik-Layout optimiert. Dabei wurde die Idee geboren, eine Maschine für die Komplettbearbeitung von Blechteilen (Abwicklungen) zu beschaffen und diese Maschine so zu platzieren, dass die zu bearbeitenden Bleche aus dem Lager direkt auf die Maschine gelangen.

Nach Analyse der zu bearbeitenden Teile und Materialien wurden verschiedene Technologien wie Laserschneiden, Stanzen und Wasserstrahlschneiden auf ihre Eignung hin geprüft. Am Ende erhielt jedoch die praxisgerechte Kombination aus Stanzen und Plasmaschneiden in Gestalt einer Stanz- und Plasmaschneidmaschine Combicut von Boschert, Lörrach-Hauingen, den Vorzug.

Weiterer Schlüssel zum Erfolg: Einsatz modernster Technologien

Die Stanz- und Plasmaschneidmaschine wurde vom Schweizer Boschert-Vertreter Hch. Reimmann AG, Mönchaltorf, empfohlen, der das Fachpersonal und die Verantwortlichen von PWP in jeder Hinsicht überzeugen konnte.

Laserschneiden wäre seitens der Investition und vor allem wegen der Betriebs- und Wartungskosten zu teuer gewesen, und dasselbe gilt für das Wasserstrahlschneiden. Außerdem konnte die Kombimaschine in der Programmierung und Bedienung punkten, und sie ließ sich problemlos in das neu geplante Fabrik-Layout – mit direkter Anbindung an ein automatisches Blechlager – integrieren.

Daniel Christen, beim Boschert-Vertreter Reimmann der Spezialist im Bereich Blechbearbeitungsmaschinen, zu den Vorzügen der Combicut, die bei PWP dann auch zur Entscheidung pro kombinierter Stanz-Plasma-Bearbeitung führten: »Die Combicut ist als Hakenmaschine kompakt gebaut und von drei Seiten optimal zugänglich. Dies erlaubt in idealer Weise die Beschickung mit Rohblechen direkt aus dem Lager. Im Fall PWP für die komplette Bearbeitung von Blechen des Formats 1500 x 3000 mm und für Dicken bis 6 mm ausgelegt, verlassen die individuell zu bearbeitenden Werkstücke die Maschine als Fertigteil. Der Stanzkopf hat 280 KN Stanzkraft und weist ein Rotations-Werkzeugsystem mit siebenfachem Revotool-Werkzeug auf. Der Plasmaschneidkopf arbeitet mit einer Hifocus-160i-Plasmaquelle und verstellt sich in der Höhe automatisch, ausgehend von der Dicke des jeweiligen Materials oder der Beschaffenheit des Blechs. Dank der Entsorgungsklappe für Abfälle, der leistungsfähigen Absaugung und der automatischen Gasmischanlage ist der Plasmabrenner im Dauerbetrieb für Materialdicken bis 6 mm zu nutzen. Die CNC-Maschine kann seit der relativ kurzen Einweisung und Programmierschulung von den PWP-Mitarbeitern selbstständig bedient und programmiert werden.«

Noch ein Schlüssel zum Erfolg: Technik-Akzeptanz

PWP zeigt sich schon kurz nach der Inbetriebnahme der Combicut zur integrierten Stanz-Plasma-Komplettbearbeitung unterschiedlichster Blechteile sehr zufrieden. Nicht zuletzt sorgt die frühe Einbeziehung des Bedienpersonals zur Kauf-Entscheidung der Maschine sowie zu einer weitergehenden Materialfluss-Automatisierung für eine sehr gute Akzeptanz bei den Mitarbeitern.

Abschließend meint dazu André Nicolet: »Wir fertigen unsere Produkte in Stückzahlen von 1 bis etwa 100 und haben je nach Bauteilen auch Chargen mit Stückzahlen ab 300 bis 1000 herzustellen. Mit der enormen Flexibilität und Produktivität der kombinierten Stanz- und Plasma-Komplettbearbeitung auf der Combicut haben wir Maschinenkapazitäten geschaffen, die es uns auch erlauben, den Grad an Eigenfertigung wieder zu erhöhen. Das kommt unserem Qualitätsanspruch für die hochbelasteten Fahrzeugbau-Komponenten und der gezielten Erhöhung der Wertschöpfung sehr entgegen. Durch die Blechteile-Fertigung sozusagen direkt aus dem Lager konnten wir den Personalaufwand für das Handling erheblich reduzieren. Weil sich die Bediener der Combicut und anderer Blechbearbeitungsmaschinen die benötigten Bleche während der laufenden Bearbeitungen selbst aus dem Lager holen, gibt es bis auf den reinen Rohblech- und Werkstückwechsel keine Stillstandzeiten an den Maschinen, wodurch deren Auslastung steigt. Zumal ebenfalls hauptzeitparallel die Programmierung erledigt wird und damit eine weitere Effizienzsteigerung verbunden ist.«

Edgar Grundler, Allensbach
Euroblech Halle 11, Stand A14
www.boschert.de

Zahlen & Fakten

Durch ständige Weiterentwicklungen und innovative Ideen ist die Boschert GmbH + Co. KG, Lörrach, seit Jahren ein Begriff in der Blechverarbeitung.
Von den ersten Anfängen mit Ausklinkmaschinen im Jahre 1973 über die Stanzmaschinen seit 1978 bis zum heutigen Stand der CNC-Blechbearbeitung hat Boschert eine Reihe von Maschinen auf den Markt gebracht, die bis heute im täglichen Einsatz ihren ›Mann‹ stehen.
Auf Wunsch von Kunden erweiterte Boschert das Blechbearbeitungsmaschinen-Programm in Kooperation mit dem langjährigen Vertriebspartner Gizelis um Abkantpressen und Scheren.

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