30. JUNI 2016

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Vom Coil zum Rohr zum Fertigteil


Technik - Lagertechnik, Logistik

Heimspiel: Bei der Fischer-Group in Achern stellt ein Langgutlager von Kasto das zentrale Element der automatisierten Rohr- und Fertigteil-Produktion dar.

Die Idee an sich ist genial einfach. Das daraus entstehende Halbzeug ist vergleichsweise simpel. Die Herstellung des Halbzeugs wie des Fertigteils ist hoch automatisiert. Alles in allem sind das beste Voraussetzungen, um aus der besagten Idee eine Erfolgsstory werden zu lassen. Doch beim genaueren Hinsehen stellt sich die Serienproduktion von Edelstahlrohren und daraus herzustellenden Fertigteilen dann doch nicht so ganz einfach dar.

Der Reihe nach: 1969 gründete Hans Fischer zunächst einen mechanischen Fertigungsbetrieb. Bald darauf, nämlich 1974, konzentrierte er sich jedoch auf die individuelle Herstellung von Edelstahlrohren. Folgerichtig ging es nicht um industrielle Massenware, sondern um dünnwandige Spezialrohre, die nach Kundenwunsch in hochwertiger Ausführung produziert werden sollten. Die Umsetzung ermöglichte ein spezielles Fertigungsverfahren: die Fertigung von Edelstahlrohren ab Coil. Hans Fischer und seine Mitarbeiter perfektionierten zum einen das eigene Fertigungsverfahren und zum anderen die Teilefertigung nach Kundenvorgaben.

Aufgrund des enormen Wachstums wurde dann schon 1979 ein Geschäfts-Splitting in die beiden Unternehmen Fischer Edelstahlrohre und Fischer Maschinentechnik vorgenommen. Im Laufe der Zeit entstand daraus die global agierende Fischer Group, die heute mit rund 1500 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von gut 500 Mio. € zu einem der weltweit größten Verarbeitungsbetrieben von Edelstahlblechen zählt. In den elf über den Erdball verteilten Produktionszentren werden pro Jahr aus etwa 100000 t Edelstahlbleche vom Coil zum Rohr und Fertigteile im Durchmesserbereich von 6 bis 203,2 mm (8”) gefertigt.

Die aus 0,2 bis 3 mm dicken Blechen gefertigten Rohre und Bauteile werden vor allem für Automotive, Wasserversorgung und Sanitärinstallation eingesetzt. Allein das Hauptwerk in Achern-Fautenbach mit über 500 Beschäftigten verarbeitet rund 50 Prozent des Gesamtverbrauchs an Edelstahlblechen, also 50000 t. Wie schon angedeutet, stammen die Produktionsverfahren und die Fertigungseinrichtungen zum größten Teil aus dem eigenen Haus. Lediglich zum Verschweißen der vom Coil zum Rohr umgeformten Blechstreifen greift man auf gängige Laserschweißanlagen und Robotertechnik sowie Automatisierungssysteme zurück.

Der zunehmende Bedarf etwa an Edelstahlrohrteilen für die Fahrzeug-Abgastechnik erfordert stetiges Investment in größere sowie flexibel nutzbare Fertigungskapazitäten. Da es beim Handling der empfindlichen, weil dünnwandigen Edelstahlrohre öfter zu Beschädigungen kam, wurden in einem Rationalisierungsprojekt die Fertigungsprozesse auf den Prüfstand gestellt. Da stellte sich heraus, dass das der Produktion folgende Bündeln, Stapeln, Handhaben und Lagern der Rohre im Bodenlagerbereich sehr personal- und zeitaufwendig war und vor allem auch die Produktions- und Materialflusseffizienz negativ beeinträchtigte. Aus den daraus abgeleiteten Anforderungen entstand die Idee, zum Ein- und Auslagern sowie Kommissionieren von Rohren wie von Fixlängen auf ein vollautomatisches Hochregallager zu setzen, an das Lasermaschinen für die Konfektionierung nach Auftrag direkt angebunden werden können. Nach intensiver Bedarfs- und Materialflussanalyse erhielt Kasto den Auftrag zur Realisierung eines vollautomatischen Langgutlagers Typ Wabenlager Unigrip 3.0.

Das Unigrip-Lagersystem ist gekennzeichnet durch eine gute Raumnutzung sowie kurze Bereitstellzeiten der angeforderten Lagerkassetten. Das Wabenlager bei Fischer ist mit Kassetten für Nutzlasten bis 3 t ausgerüstet und weist 460 Lagerplätze auf. Das dynamisch verfahrende Regalbediengerät kann sowohl standardisierte Langgutkassetten (400 Stück, nutzbare Einlagerlänge bis 6550 mm, nutzbare Einlagerbreite 870 mm, Beladehöhe 630 bis 650 mm) als auch Trägerpaletten (60 Stück, nutzbare Abmessungen L= 6500mm, B = 850 mm, Beladehöhe =460 mm), die zum Lagern von Werkzeugen und Rollgerüstzubehör genutzt werden, flexibel handhaben. Das Regalbediengerät nimmt die beladenen Kassetten auf und befördert sie ins Lagersystem. Bei Bedarf holt das RBG die geforderte Kassette wieder aus dem Lager und befördert sie zu einer von sechs Auslagerstationen, die an die Lasermaschinen angebunden sind. Portal-Handling-Systeme mit Vakuumgreifeinrichtungen entnehmen die Edelstahlrohre. Die Handling-Systeme nehmen die Rohre einzeln sanft auf und legen sie auf ein Schrägmagazin, das die Laserschneidmaschine beschickt. Je nach Durchmesser befinden sich auf dem Schrägmagazin dann mehrere Rohre gleichen oder unterschiedlichen Durchmessers, so dass ein gewisser Arbeitsvorrat gegeben ist. Während dann die flexibel einsetzbaren Laserschneidmaschinen ihre Aufträge abarbeiten, sorgt das RBG hauptzeitparallel für Materialnachschub, so dass es auch im Mehrschichtbetrieb kaum Stillstandzeiten gibt.

Bestellt ein Kunde Rohre zur eigenen Weiterverarbeitung, wird die entsprechende Kassette an eine der Ein-/Auslagerstationen gebracht, an der ebenfalls mit einem Portal-Handling-System die Einzel- oder auch die Bündelentnahme erfolgt. Handelt es sich um größere Mengen von Standard- oder Fixlängenabmessungen, geht die entsprechende Charge gar nicht ins Lager, sondern auf direktem Weg in den Verpackungs- und Versandbereich. Ansonsten werden die auf den Produktions- und Schweißlinien gefertigten Rohre und Fixlängen in Stapelwagen gelegt und diese manuell zum Lagersystem gefahren. Dort erfolgen halbautomatisch die Entnahme und das Ablegen in die Lagerkassetten, die in den beiden Ein-/Auslagerstationen bereitzustellen sind. Das automatische Lagersystem ist für die Realisierung von 34 Doppelspielen (gemäß FEM 0.851) – kontinuierlicher Betrieb – ausgelegt. Damit hat man genügend Reserven, um an den insgesamt acht Ein-/Auslager-/Beschickungs-Stationen keine Ver- oder Entsorgungsengpässe aufkommen zu lassen.

Euroblech Halle 11, Stand A15
www.kasto.de

Zahlen & Fakten

An den beiden deutschen Standorten arbeiten rund 550 Menschen für Kasto, 10 Prozent davon in der betrieblichen Ausbildung. Der Gesamtumsatz des Unternehmens lag 2011 bei 105 Mio. Euro.
Über 130000 verkaufte Sägemaschinen spiegeln den Erfolg der Produkte auf dem weltweiten Markt wieder.
Darüber hinaus ist Kasto mit mehr als 1400 installierten Anlagen weltweit ein führender Hersteller von Langgut- und Blechlagern.

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