30. AUGUST 2016

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Aufschwung trotz Risiken


Technik

Mit einer noch höheren Geschwindigkeit, als es noch zur Jahreswende erwartet wurde, wird sich der Stahlmarkt entwickeln. Davon geht auch die Wirtschaftsvereinigung Stahl aus.
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Der Aufschwung der deutschen Stahlindustrie wird sich auch 2011 fortsetzen. Die Rohstahlproduktion wird wohl um vier Prozent auf 45,5 Mio. t steigen entsprechend einer Kapazitätsauslastung über 90 Prozent, also um rund zehn Prozentpunkte höher als der weltweite Durchschnitt. Schon im 4. Quartal 2010 waren die Bestellungen gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent angestiegen. Im bisherigen Jahresverlauf 2011 hat sich diese Aufwärtstendenz noch weiter gefestigt, obwohl die Vergleichswerte Januar/Februar des Vorjahres bereits sehr hoch ausgefallen waren.

Grund zur konjunkturellen Zuversicht erwächst zudem aus der Konjunkturumfrage, die das Münchner Ifo-Institut monatlich bei den Stahlunternehmen durchführt. Demzufolge hat sich die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage – erstmals seit Ausbruch der Finanzmarktkrise September 2008 – wieder normalisiert. Die Befragten äußerten sich zuversichtlich, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten weiter verbessern wird. Die Auftragsbestände sind gewachsen und die Lieferzeiten wieder länger geworden. Insgesamt ist die Stimmung in der Stahlindustrie zur Zeit überdurchschnittlich gut.
Die geschilderte Entwicklung ist nach Auffassung von Hans Jürgen Kerkhoff Ausdruck davon, dass der Aufschwung in Deutschland zur Zeit besonders von den Investitionen getrieben werde: Der letzten Prognose des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge werden die Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland in diesem Jahr um zehn Prozent zulegen, und auch für 2012 wird ein robuster Anstieg von knapp sechs Prozent erwartet. In dieser Prognose ist bereits ein hoher Ölpreis zugrundegelegt. Bisher hat die Produktion der Stahl verarbeitenden Branchen mit den Ausrüstungsinvestitionen immer eng korreliert. Daher wird sich wohl auch der deutsche Stahlbedarf in diesem und im kommenden Jahr kraftvoll entwickeln.

Gestützt wird die Stahlnachfrage ferner vom Aufwind in den exportorientierten Branchen des verarbeitenden Gewerbes: Im Straßenfahrzeug- und Maschinenbau, bei den Metallwaren wie auch den Stahlröhren sind die Auftragseingänge in der Grundtendenz unverändert nach oben gerichtet. Zudem haben sich die Stimmungswerte auf hohem Niveau stabilisiert. Nach den Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts könnte sich die Erholung in den kommenden Monaten sektoral verbreitern.

In den letzten Monaten wurde bei den Rohstoffen ein Preisauftrieb in neue Höhen erlebt. Es trat also genau das ein, was die Experten der Wirtschaftsvereinigung Stahl bei Einführung der Quartalsverträge befürchtet haben: Die Erz- und Kohlepreise stiegen seitdem deutlich und wurden volatiler. Der Preis für Erz hat sich seit Einführung der Quartalspreise etwa um 150 Prozent, für Kokskohle um rund 75 Prozent erhöht.

Berücksichtigt man, dass die Kontraktpreise zeitverzögert an die Spotmarktpreise des Vorquartals gebunden sind, so ist für das zweite Quartal 2011 nochmals eine Erhöhung zu befürchten. Für Kokskohle dürften die Kontraktpreise insbesondere durch die Überschwemmungen in Queensland drastisch steigen. Überträgt man den Preismechanismus und erste Abschlüsse in Asien auf unsere Stahlindustrie, könnten sich weitere deutliche Mehrbelastungen ergeben. Bei den anderen unverzichtbaren Einsatzstoffen sind ebenso kräftige Preissteigerungen zu beobachten. So liegen die Schrottpreise derzeit bei 350 €/t und mit einem Plus von zwölf Prozent bereits deutlich über dem durchschnittlichen Spitzenniveau von 2008. Insgesamt zeigt sich, dass die Stahlindustrie von den Rohstoffpreissteigerungen besonders betroffen ist. Die Preise für Eisenerz und Stahlschrott sind gegenüber den übrigen Rohstoffen überproportional gestiegen. In der Wirtschaftsvereinigung Stahl ist man überzeugt, die Politik habe die Bedeutung einer sicheren und wettbewerbsorientierten Rohstoffversorgung erkannt. Doch zeige sich auch, dass gut gemeintes Engagement schnell zu einer Belastung werden könne.

Der EU-Kommission fallen als Instrumente zur Steigerung der Ressourceneffizienz als erstes Steuern, Abgaben oder ein Zertifikatehandel ein. Kerkhoff: »Angesichts ohnehin hoher Rohstoffpreise ergeben derartige künstliche Verteuerungen des Rohstoffbezugs keinen Sinn. Die effiziente Verarbeitung von Rohstoffen, die zusammen mit der Energiebeschaffung etwa 80 Prozent der Ge-samtkosten ausmacht, gehört inzwischen zum Kerngeschäft der Stahlindustrie.« Allein durch das Recycling von etwa 20 Mio. t Stahlschrott spare Deutschland rund 30 Mio. t Eisenerz, 13 Mio. t Kohle oder 6 Mio. t Kalkstein ein. Ferner helfe die Stahlherstellung auf Schrottbasis, den Energiebedarf in der Produktion zu senken, und vermindere entsprechend auch die CO2-Emissionen.

Insgesamt wird fast die Hälfte des in Deutschland produzierten Stahls aus Stahlschrott erschmolzen. Freilich erreicht diese Rohstoffquelle angesichts der begrenzten Verfügbarkeit von Schrott und den Anforderungen der verschiedenen Produktqualitäten mittlerweile ihre Grenze.


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bbr 03/2011
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